Schwere Waldbrände haben Griechenland in der Nacht zum Dienstag in Atem gehalten. Östlich von Athen kämpften Einsatzkräfte gegen eine Feuerfront, die sich mit enormer Geschwindigkeit ausbreitete. Zahlreiche Dörfer und Küstenorte wurden evakuiert, ein Mensch kam in den Flammen ums Leben.
Das Feuer war am späten Nachmittag im Gebiet um den Ort Varnavas ausgebrochen und rückte in der Nacht bis an die Stadtgrenzen von Marathon und Nea Makri vor. Anwohner berichteten von einem Feuersturm, der binnen Minuten ganze Straßenzüge erfasste. Viele Familien verbrachten die Nacht in Notunterkünften oder bei Verwandten. Die griechische Regierung sprach von einer außergewöhnlichen Bedrohung. In der Hauptstadt Athen war die Rauchsäule kilometerweit zu sehen, viele Menschen klagten über beißenden Geruch.
Evakuierung von mehreren Orten
Die Behörden ordneten für mindestens zwölf Siedlungen die Räumung an. Darunter waren Stadtteile von Marathon, die Feriensiedlungen am Kap Sunion sowie die Ortschaft Stamata. In der Nacht weiteten die Einsatzleiter die Evakuierungen auf weitere Bereiche aus, als unerwartete Winde die Flammen in Richtung bewohnter Täler trieben. Auch ein Krankenhaus in Nea Makri musste evakuiert werden. Die Patienten wurden mit Bussen in Kliniken nach Athen gebracht. Die Polizei riegelte die Hauptstraßen ab, um den Rettungskräften freie Bahn zu verschaffen. Anwohner, die ihre Häuser nicht verlassen wollten, wurden per Lautsprecherdurchsagen zum Gehen aufgefordert.
In einigen Siedlungen fiel kurzzeitig der Strom aus, Telefon- und Internetverbindungen wurden unterbrochen. Die Einsatzkräfte arbeiteten unter extremen Bedingungen: Beißender Rauch und Glut lagen in der Luft, die Sicht war teilweise stark eingeschränkt. Viele Menschen flüchteten in Panik und ließen Fahrzeuge auf den Straßen stehen, was die Rettungswege weiter erschwerte. Die Behörden empfahlen den Menschen, sich mit feuchten Tüchern vor dem Qualm zu schützen und die Häuser zu verlassen.
Ein Todesopfer und große Schäden
In einem ausgebrannten Gebäude nahe der Küste fanden Einsatzkräfte später einen Leichnam. Die Identität des Opfers war zunächst unklar. Nach Angaben des Zivilschutzes gab es mindestens ein Todesopfer. Neben dem Menschenleben richtete das Feuer massive Schäden an: Dutzende Wohnhäuser brannten aus, Autos verkohlten, Strommasten stürzten um. Die Zahl der beschädigten oder zerstörten Gebäude wurde von den Behörden am Morgen auf mehrere Hundert geschätzt.
Die Landwirtschaft in der fruchtbaren Ebene von Marathon wurde schwer getroffen. Olivenbäume, Weinberge und Gemüsefelder verbrannten auf einer Fläche von mehreren tausend Hektar. Bauern berichteten, dass die Existenzgrundlage ganzer Familien vernichtet sei; der Rauch war noch kilometerweit zu sehen. Auch geschützte Tiere und Pflanzen fielen den Flammen zum Opfer, wie Umweltschützer beklagten.
Internationale Hilfe läuft an
Griechenland rief Hilfe aus dem EU-Mechanismus für den Katastrophenschutz an. Zahlreiche Mitgliedsstaaten schickten in den Morgenstunden Löschflugzeuge, Hubschrauber und Spezialisten. Mehrere EU-Staaten haben Unterstützung zugesagt, darunter Frankreich und Italien. Die Einsatzkräfte erhielten dadurch Verstärkung bei der Bekämpfung der Flammen vom Boden und aus der Luft. Allein am Morgen waren mehr als 700 Feuerwehrleute mit rund 180 Fahrzeugen im Einsatz, dazu kamen 27 Wasserbomber.
Die griechischen Behörden warnten davor, dass die Gefahr noch nicht gebannt sei. Für den Tag wurden weiterhin Temperaturen von bis zu 40 Grad und steife Winde erwartet. Der Wetterdienst stufte die Waldbrandgefahr in mehreren Regionen als extrem hoch ein. Die Zusammenarbeit der europäischen Länder habe gut funktioniert, teilte die EU-Kommission mit.
Waldbrände im Kontext des Klimawandels
Die Brände in Griechenland sind Teil einer Serie von Waldbränden im Mittelmeerraum, die in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben. Fachleute führen die Zunahme auf die globale Erwärmung zurück, die zu längeren Dürreperioden und extremen Hitzewellen führe. In Griechenland brannten schon im vergangenen Sommer große Flächen, auch damals kam es zu Evakuierungen. Viele Menschen machen die Trockenheit und die hohen Temperaturen für die verheerenden Flammen verantwortlich.
Die Regierung in Athen kündigte an, die Unterstützung für die betroffenen Gebiete zu verstärken und Entschädigungen zu prüfen. Innenministerium und Finanzministerium stellten erste Hilfen in Aussicht. Die Bewertung der Schäden solle in den kommenden Tagen erfolgen, sobald die Feuer gelöscht seien. Auch der Ministerpräsident besuchte die Einsatzkräfte und sprach den Anwohnern Mut zu.
In den betroffenen Orten kehrte am Vormittag allmählich Ruhe ein, doch die Sorge bleibt. Viele Menschen standen vor den Trümmern ihrer Häuser und wussten nicht, wie es weitergehen soll. Die Behörden suchten unterdessen nach Brandursachen; es wurde nicht ausgeschlossen, dass der Brand vorsätzlich gelegt oder fahrlässig ausgelöst worden war.



