Wasserknappheit in Brandenburg: Ministerin fordert sparsamen Umgang
Wasserknappheit: Ministerin fordert sparsamen Umgang (30.07.2026)

Potsdam (dpa/bb) – Die anhaltende Trockenheit in Brandenburg hat besorgniserregende Ausmaße angenommen. Wie das Landesamt für Umwelt (LfU) mitteilte, führen die meisten Flüsse des Bundeslandes derzeit Niedrigwasser. „Die Entwicklung ist mit Blick auf die vorliegende langjährige Statistik extrem“, erklärte ein Sprecher der Behörde. Viele grundwassergespeiste Seen hätten einen historischen Tiefststand erreicht, und nahezu alle Grundwasserleiter im Land befänden sich nahe an oder bereits unter ihren bisher niedrigsten Werten.

Besorgniserregende Lage an der Spree

Besonders kritisch ist die Situation an der Spree, die für die Trinkwasserversorgung der Hauptstadtregion von zentraler Bedeutung ist. Der Fluss führt derzeit so wenig Wasser, dass Berlin, Brandenburg und Sachsen eine länderübergreifende Arbeitsgruppe einberufen haben, um Gegenmaßnahmen zu koordinieren. „Auch wenn wir im Sommer regelmäßig Niedrigwasserphasen erleben, ist die Dauer und räumliche Ausdehnung momentan besonders“, betonte der LfU-Sprecher. Die Abflusswerte unterschreiten vielerorts die Warnstufe, was bei längerer Dauer zu erheblichen Schäden am Ökosystem der Flüsse führen kann.

Ursache der Probleme ist neben der unzureichenden Niederschlagsmenge im Winter und Frühjahr auch der geplante Kohleausstieg. Die Talsperren im Oberlauf der Spree in Sachsen sind nicht ausreichend gefüllt, und mit dem Ende der Braunkohleförderung wird weniger Grundwasser in den Fluss gepumpt. „Die langfristige Wasserversorgung der Spree ist ein großes Problem“, sagte Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. „Da werden wir uns alle noch ganz tief in die Augen gucken.“

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Diskussion über technische Lösungen

Um die Wassermenge in der Spree zu stabilisieren, werden verschiedene Optionen diskutiert: eine Überleitung von der Elbe, eine Pipeline für Wasser aus der Ostsee sowie der Bau von zusätzlichen Wasserspeichern. Mittelstädt betonte, dass ein Bündel von Maßnahmen nötig sei, um die Spree und den Spreewald zu stützen. Sie forderte zudem den Bund auf, sich finanziell zu beteiligen. „Der Bund zieht sich mehr und mehr raus und sagt: Das ist euer Problem. Das sehe ich ein bisschen anders. Der Bund hat den Kohleausstieg entschieden und muss Verantwortung tragen.“

Parallel dazu arbeitet Brandenburg an einem neuen Wassergesetz, das den Gewässerschutz und den Wasserrückhalt verbessern soll. „Sinkende Grundwasserstände, Flüsse mit geringerer Wasserführung und wachsende Nutzungskonflikte zwischen Bevölkerung, Wirtschaft und Landwirtschaft zeigen deutlich, vor welchen Herausforderungen wir stehen“, erklärte die Ministerin bereits im Juni.

Forschung der TU Berlin: Wandel im Wassermanagement nötig

Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin haben die Situation analysiert und ein Tool entwickelt, das Potenziale für künstliche Grundwasseranreicherung, kontrollierte Drainagen, temporäre Oberflächenspeicher und naturnahe Wasserrückhaltemaßnahmen untersucht. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein grundlegender Wandel im regionalen Wassermanagement notwendig ist – weg von der schnellen Entwässerung, hin zur aktiven Speicherung und Rückhaltung von Wasser“, sagte Irina Engelhardt, Leiterin des Fachgebiets Hydrogeologie an der TU Berlin. Die Region leide nicht mehr unter einzelnen Dürrejahren, sondern unter einem strukturellen Wasserdefizit, das sich unter anderem in fallenden Grundwasserspiegeln zeige.

Laut einer Umfrage des SWR unter den 50 bevölkerungsreichsten Kreisen und Städten in Deutschland gaben fast 19 Prozent der Wasserversorger an, dass sie die Trinkwasserversorgung in Zukunft mit der bisherigen Infrastruktur „kaum noch“ oder „gar nicht“ bewältigen könnten. Dies unterstreiche die Dringlichkeit eines Umdenkens.

Ministerin warnt vor sorglosem Umgang und steigenden Preisen

Angesichts der sich abzeichnenden Wasserknappheit rief Umweltministerin Mittelstädt zu einem bewussteren Umgang mit Wasser auf. „Da Wasser ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist, muss die gesamte Gesellschaft auch dafür einstehen“, sagte sie. Künftig müsse der Wasserpreis steigen, denn derzeit sei Wasser noch zu günstig. „Das führt dazu, dass mittags Pools befüllt werden und in den Gärten die Sprinkleranlagen laufen“, kritisierte die Ministerin.

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Nach Angaben des Amtes für Statistik lag das Entgelt für die Trinkwasserversorgung privater Haushalte in Brandenburg im vergangenen Jahr bei 1,82 Euro je Kubikmeter. Mittelstädt macht derzeit eine Sommertour durch das Land, um für mehr Sensibilität beim Wasserverbrauch zu werben und mit Bürgern über Lösungen zu sprechen.