Norwegen plant ersten Mega-Schiffstunnel der Welt
Norwegen wagt ein weltweit einzigartiges Mega-Projekt: Künftig sollen Schiffe durch einen Berg fahren können. Mit dem sogenannten „Stad Ship Tunnel“ will das Land den ersten Tunnel der Welt bauen, der speziell für seetüchtige Schiffe ausgelegt ist und damit einen der gefährlichsten Küstenabschnitte des Landes umgeht.
Das Bauprojekt sorgt seit vielen Jahren für Aufsehen. Bereits 2017 hatte das Parlament grünes Licht gegeben. Doch dann drohte das Aus: Die Kosten explodierten. Statt der ursprünglich kalkulierten 5 Milliarden norwegischen Kronen (455 Millionen Euro) lagen neue Schätzungen zeitweise bei mehr als 9 Milliarden Kronen, berichtet der Norwegische Rundfunk (NRK).
So viel kostet der Schiffstunnel
Die Regierung von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre stellte sich deshalb gegen das Vorhaben. Doch jetzt ist das Projekt zurück auf Kurs. Nach Verhandlungen zwischen Regierung und Parlament wurde ein neuer Kostenrahmen festgelegt. Die Baukosten sollen nun bei 8,6 Milliarden norwegischen Kronen liegen – umgerechnet rund 782 Millionen Euro.
Die staatliche Küstenverwaltung Kystverket bereitet derweil den nächsten Schritt vor. „Wir sind bereit, Anfang 2027 die notwendigen Prozesse einzuleiten, um den Baustart zu ermöglichen“, erklärte Generaldirektor Einar Vik Arset. Die Entscheidung über die Baufirma steht ebenfalls kurz bevor. Drei Konsortien sind noch im Rennen. Nach fünf Jahren soll der Tunnel fertiggestellt sein.
Die Ausmaße des Mega-Projekts
Der geplante Tunnel soll rund 1,8 Kilometer lang und etwa 37 Meter breit werden. Selbst größere Schiffe sollen den geschützten Weg nutzen können. Nach den Planungen wären auch Kreuzfahrtschiffe mit bis zu 140 Metern Länge und rund 16.000 Tonnen Gewicht für die Passage geeignet. Rund 3 Millionen Kubikmeter Fels müssen gesprengt werden, was ungefähr 750.000 LKW-Ladungen entspricht.
Warum die Wasserstraße gebaut wird
Der Grund für das spektakuläre Vorhaben liegt vor Norwegens Westküste. Das Kap Stad auf der Halbinsel Stadlandet gilt als einer der gefährlichsten Küstenabschnitte des Landes. Heftige Stürme und hohe Wellen machen die Route für Kapitäne immer wieder zur Herausforderung. Genau hier soll der Tunnel helfen. Statt die berüchtigte Landzunge auf offener See zu umfahren, könnten Schiffe künftig einen geschützten Weg durch den Berg nehmen.
Während der Panamakanal oder Suezkanal Handelsrouten verkürzen, soll der „Stad Ship Tunnel“ die Sicherheit erhöhen und die Schifffahrt wetterunabhängiger machen. Es wäre ein weltweit einzigartiges Kapitel der Ingenieurskunst: Zwar gibt es Wasserstraßen für kleinere Flussfahrzeuge, doch ein Tunnel dieser Größe für seetüchtige Schiffe wurde nirgendwo realisiert.



