Am Samstagmorgen hat die Betreibergesellschaft Femern A/S das dritte Tunnelelement des Fehmarnbelttunnels erfolgreich auf dem Ostseeboden positioniert. Das 73.500 Tonnen schwere Betonteil liegt nun korrekt ausgerichtet im Tunnelgraben und ist mit dem bereits installierten Abschnitt verbunden. Ursprünglich sollte der längste Absenktunnel der Welt 2029 fertig sein, doch nun rechnet die Projektgesellschaft mit einer Verzögerung von mindestens zwei Jahren.
Präzisionsarbeit auf hoher See
Bereits am Donnerstagabend hatten fünf Schlepper das Element vom Produktionsstandort in Rødbyhavn auf Lolland zum Tunnelgraben transportiert. Dort wurde es mit Stahlseilen in Position gebracht, bevor in der Nacht zum Freitag das eigentliche Absenken begann. Der stellvertretende Projektdirektor Lasse Vester betonte: „Jeder Absenkvorgang ist eine anspruchsvolle Präzisionsaufgabe, bei der viele Komponenten zusammenspielen müssen.“
Das dritte Element trägt den Namen Heiligenhafen, benannt nach einer Stadt an der Verkehrsachse Malta-Finnland. Insgesamt werden 89 solcher Elemente benötigt, um den 18 Kilometer langen Tunnel zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland zu vollenden. Jedes Element ist fast 220 Meter lang und in seiner Dimension mit einem Frachtschiff vergleichbar.
Verzögerung bei Deutschlands größtem Infrastrukturprojekt
Die Versenkung des dritten Elements markiert einen weiteren Schritt, doch der Zeitplan gerät zunehmend unter Druck. Die Projektgesellschaft räumt ein, dass der Bau mindestens zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Fahrplan liegt. Auch Deutschland rechnet damit, dass sich die Hinterlandanbindung über 2029 hinaus verzögern wird. Das Projekt ist eines der größten Infrastrukturvorhaben Europas und soll eine vierspurige Autobahn sowie eine Bahnstrecke umfassen.
Nach der Versenkung wird das Element nun mit Steinen und Schotter bedeckt, um es im Tunnelgraben zu sichern. Parallel dazu beginnen bereits die Arbeiten für das vierte Element. Anfang Mai war das erste Tunnelelement abgesenkt worden, das zweite folgte kurz darauf. Die Fertigung der Elemente erfolgt in einer eigens errichteten Fabrik in Rødbyhavn, wo die 73.500 Tonnen schweren Betonblöcke in Serie produziert werden.
Bedeutung für den Verkehr
Der Fehmarnbelttunnel wird nach seiner Fertigstellung die Reisezeiten drastisch verkürzen. Autos sollen den Fehmarnbelt in etwa zehn Minuten durchqueren, Züge in etwa sieben Minuten. Damit ersetzt er die bestehende Fährverbindung und schafft eine direkte Landverbindung zwischen Skandinavien und Mitteleuropa. Die Verkehrsachse Malta-Finnland, deren zentraler Bestandteil der Tunnel sein soll, verbindet insgesamt neun Länder und gilt als wichtiger europäischer Korridor.
Trotz der Verzögerung betont die Betreibergesellschaft, dass das Projekt unumkehrbar sei. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren, und die Versenkung der Elemente schreitet kontinuierlich voran. Die nächsten Schritte werden in den kommenden Wochen erwartet, wenn das vierte Element für die Versenkung vorbereitet wird.



