Die Stadt Augsburg hat die Finanzierung für die geplanten Radwege in der Fuggerstraße gestrichen. Das bestätigte die Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Redaktion. Damit ist die ohnehin überfällige Sanierung der wichtigen innerstädtischen Hauptstraße auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die Fuggerstraße verbindet das Zentrum von Augsburg mit den südlichen Stadtteilen und gilt als eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt. Seit langem ist sie in einem schlechten Zustand, dennoch wurde die Sanierung immer wieder verschoben. Geplant war, die Straße nicht nur zu erneuern, sondern auch fahrradfreundlicher umzubauen. Dazu gehörten geschützte Radfahrstreifen auf beiden Seiten und eine Neuordnung des Parkraumangebots.
Warum die Mittel gestrichen wurden
Nach Informationen der Stadtverwaltung konnten die geplanten Fördermittel von Bund und Freistaat nicht abgerufen werden, weil die Planungen nicht rechtzeitig abgeschlossen waren. Die Haushaltslage der Stadt Augsburg hat die Lage zusätzlich verschärft. Im Rahmen der Sparmaßnahmen wurden diverse Projekte überprüft – mit dem Ergebnis, dass die Radwege an der Fuggerstraße vorerst nicht realisiert werden.
Ein Sprecher der Stadt erklärte, die Entscheidung sei nicht leichtgefallen. Die Radwege seien ein wichtiger Baustein der Verkehrswende, aber die Prioritäten müssten neu gesetzt werden, um den Haushalt auszugleichen. Man werde sich aber weiterhin um eine Lösung bemühen.
Auswirkungen für Radverkehr und Anwohner
Für Radfahrer bedeutet der Stopp: Sie müssen weiterhin auf der Fahrbahn oder den vorhandenen Radwegen fahren, die in diesem Bereich oft zu schmal und unkomfortabel sind. Kritiker befürchten, dass dies gerade für weniger geübte Radler eine Hürde darstellt. Wer das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel nutzt, brauche sichere und durchgängige Infrastruktur, betont der ADFC Augsburg.
Anwohner müssen sich zudem weiterhin mit den Folgen des starken Kfz-Verkehrs herumschlagen. Auch die Aufenthaltsqualität und die Verkehrssicherheit für Fußgänger bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die Stadt wollte die Fuggerstraße eigentlich zu einem Boulevard mit hoher Aufenthaltsqualität umgestalten. Nun bleibt alles beim Alten.
Kritik aus dem Stadtrat und der Zivilgesellschaft
Im Augsburger Stadtrat sorgt die Streichung für Empörung. Vor allem die Fraktionen von Grünen und Linken sprechen von einem falschen Signal. Die Stadt habe mehrfach – auch im Klimaschutzkonzept – erklärt, den Radverkehr ausbauen zu wollen. Nun werde dieses Versprechen gebrochen. Der Radentscheid Augsburg kündigt an, das Thema weiter zu verfolgen und notfalls mit eigenen Vorschlägen Druck zu machen.
Die Stadtverwaltung kontert, dass in den kommenden Jahren große Investitionen in Schulen, Kitas und die Innenstadt anstünden. Die Radwege könnten nicht allein aus städtischen Mitteln finanziert werden, ohne an anderer Stelle zu kürzen. Eine Streichung sei deshalb unumgänglich.
Sanierung bleibt notwendig – aber wann?
Unabhängig von den Radwegen bleibt die Fuggerstraße ein Sanierungsfall. Die Fahrbahn ist wellig und rissig, Gehwege sind ebenfalls in einem schlechten Zustand. Die Stadt hat erklärt, eine Sanierung in einem reduzierten Umfang zu prüfen – also ohne Radwege. Doch auch dafür fehlen derzeit die Mittel.
Denkbar wäre eine Neuauflage des Projekts in einigen Jahren. Die Stadt will neue Fördermittel beantragen, etwa aus dem Bundesprogramm „Stadt und Land“. Das Programm wird regelmäßig aufgelegt, die Antragsbedingungen sind jedoch streng. Sollte die Stadt einen Antrag stellen und bewilligt bekommen, könnte mit einem Baubeginn in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts gerechnet werden.
Bis dahin gilt für die Fuggerstraße: Schlaglöcher, Stau und unsicheres Radfahren. Die betroffenen Verkehrsteilnehmer müssen sich also noch einige Zeit gedulden.



