Gefahr durch Handgepäck bei Evakuierungen
Bei einer Flugzeug-Evakuierung zählt jede Sekunde. Dennoch greifen Passagiere immer wieder nach ihrem Handgepäck, was die Flucht erheblich verzögern kann. Die Luftfahrtbranche diskutiert daher, Gepäckfächer künftig abzuschließen. Aktuell gibt es jedoch keine konkreten Pläne, wie TRAVELBOOK berichtet. Die International Air Transport Association (IATA) setzt zunächst auf Aufklärung statt auf technische Lösungen.
Blockierte Fluchtwege und Verletzungsgefahr
In Notsituationen sollen Reisende das Flugzeug sofort verlassen und ihr Handgepäck zurücklassen. Wer dennoch Koffer oder Taschen aus den Fächern holt, blockiert die Gänge. Große Gepäckstücke können Notausgänge versperren, Evakuierungsrutschen beschädigen oder andere Passagiere verletzen. Wissenschaftliche Simulationen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass bereits wenige Personen, die nach ihrem Gepäck greifen, den Evakuierungsablauf merklich verzögern und zusätzliche Hindernisse schaffen.
Immer wieder ignorieren Passagiere Anweisungen. Ein Beispiel ereignete sich im Mai am Flughafen Denver: Reisende verließen ein Flugzeug trotz Rauchentwicklung und laufender Evakuierung über die Notrutschen – teilweise mit Gepäck.
Branche setzt auf Aufklärungskampagne
Um Passagiere zu sensibilisieren, startete die IATA die Kampagne „Save a life, not a bag“ („Rette ein Leben, keine Tasche“). Sie soll verdeutlichen, welche Folgen es hat, wenn Menschen in einer Evakuierung wertvolle Sekunden verlieren, weil sie persönliche Gegenstände mitnehmen möchten. Die Initiative zielt darauf ab, Reisende dauerhaft umdenken zu lassen. Die Branche hofft, dass bessere Aufklärung die Zahl solcher Vorfälle reduziert.
Nick Careen, Vizepräsident für operative Abläufe und Sicherheit bei der IATA, erklärte gegenüber „The Guardian“, dass automatische Verriegelungen der Gepäckfächer derzeit nicht auf der Agenda von Airlines oder Flugzeugherstellern stehen. Vorrang habe die Information der Passagiere.
Verriegelung bleibt Option
Ganz ausgeschlossen ist die Idee jedoch nicht. Careen räumte ein, dass bei ausbleibendem Erfolg strengere Maßnahmen diskutiert werden könnten – etwa Strafen für Passagiere, die Sicherheitsanweisungen missachten, oder verriegelte Gepäckfächer während einer Evakuierung. Ob es dazu kommt, ist offen. Fest steht: Nach aktuellem Stand sollen Reisende durch Aufklärung dazu bewegt werden, im Ernstfall das Flugzeug ohne Handgepäck zu verlassen.



