Der Flughafen München ist nach Ansicht der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wieder der sicherste Flughafen in Deutschland. Ausschlaggebend für die Rückkehr an die Spitze ist der nunmehr dauerhafte Betrieb von Lichtanlagen an den Zufahrten der Start- und Landebahnen. Die sogenannten Stopbars – im Boden eingelassene, ganztägig beleuchtete Stopp-Leisten – gelten bei Piloten als entscheidendes Mittel, um Zusammenstöße zwischen Flugzeugen und anderen Fahrzeugen zu vermeiden.
München übernimmt Spitzenposition
Im jährlichen Sicherheitscheck der VC belegt München den ersten Platz und verdrängt damit den bisherigen Spitzenreiter Leipzig auf Rang zwei. Grundsätzlich bewertet die Vereinigung alle deutschen Flughäfen als sicher genug für den Passagierflugbetrieb. Dennoch gebe es fast immer Verbesserungspotenzial, betont die VC. Der Flughafen München zählte im Jahr 2025 rund 43,4 Millionen Passagiere und gehört damit zu den zehn verkehrsreichsten Luftfahrt-Drehkreuzen in Europa.
Warum Stopp-Leisten entscheidend sind
Die Stopbars bilden nach Angaben der VC die „letzte Sicherheitsbarriere vor einer aktiven Start- oder Landebahn“. Gemäß den Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) sollen sie unabhängig von Wetter und Sichtverhältnissen dauerhaft genutzt werden. „Leider verzichten viele Flughäfen aus Kostengründen weiterhin auf den durchgehenden Betrieb“, kritisiert Sven Graßmück, Leiter der VC-Arbeitsgruppe zur Flughafensicherheit. Dass es auch anders gehe, zeigten die Flughäfen Zürich und Genf, wo Stopbars bereits an allen Aufrollwegen rund um die Uhr in Betrieb seien.
Mahnendes Beispiel Tokio-Haneda
Als mahnendes Beispiel für die Gefahren unzureichender Sicherheitsvorkehrungen nennt die VC den katastrophalen Zusammenstoß zweier Flugzeuge zum Jahresbeginn 2024 in Tokio-Haneda. Zum Unfallzeitpunkt waren die vorhandenen Stopp-Leisten defekt. Fünf Menschen starben an Bord einer Maschine der japanischen Küstenwache, während Besatzung und Passagiere eines Airbus A350 der Japan Airlines das Flammeninferno lebend entkommen konnten.
Sicherheitscheck der Vereinigung Cockpit
Die Arbeitsgruppe der VC unterzieht die deutschen Verkehrsflughäfen seit 1978 einem jährlichen Sicherheitscheck. Später kamen auch Regionalflughäfen hinzu. Seit 2024 beteiligen sich zudem Kollegen aus der Schweiz an der Bewertung. Am Ende der aktuellen Sicherheitstabelle landete Rostock-Laage, das den Flughafen Lübeck ablöste. Den Piloten missfiel in Rostock, dass sie nicht zu Sicherheitsbesprechungen eingeladen werden – ein Wunsch, den Lübeck umgesetzt hatte.
Alle Flughäfen sicher, aber verbesserungswürdig
Trotz der Unterschiede in der Rangliste betont die VC, dass alle deutschen Flughäfen den internationalen Sicherheitsstandards entsprechen. Die Einhaltung und Kontrolle der Vorschriften obliege den Aufsichtsbehörden. Dennoch appelliert die Gewerkschaft an die Betreiber, in puncto Sicherheit keine Abstriche zu machen – insbesondere bei der dauerhaften Beleuchtung von Stopp-Leisten, die sich als effektive Maßnahme gegen Zwischenfälle auf dem Rollfeld erwiesen habe.



