Am Montag beginnt in mehreren Bundesländern der diesjährige Blitzermarathon – auch Speedweek genannt. Bis zum kommenden Sonntag will die Polizei verstärkt Raser und Temposünder auf den Straßen kontrollieren. Laut dem Autofahrerclub ADAC beteiligen sich jedoch nicht alle Bundesländer an der Aktion. Die Kontrollwoche fällt mitten in die Ferienzeit und betrifft damit auch viele Urlauber, die auf den Straßen unterwegs sind.
Der Blitzermarathon ist Teil einer europaweit abgestimmten Initiative des Polizeinetzwerks Roadpol. Dieses Netzwerk koordiniert Polizeikontrollen in vielen Ländern Europas und setzt dabei Schwerpunkte unter anderem bei überhöhter Geschwindigkeit. Zweimal im Jahr – im April und im August – führt es die Aktionswochen durch, in denen Geschwindigkeitskontrollen verstärkt stattfinden.
Warum kontrolliert die Polizei?
Zu schnelles Fahren ist nach Einschätzung von Experten eine der häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr. Gerade auf Landstraßen und an Unfallschwerpunkten ist die Gefahr besonders groß. Daher konzentrieren sich die Kontrollen in dieser Woche vor allem auf solche Orte. Die Innenministerien von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben im Vorfeld angekündigt, die genauen Standorte der mobilen und stationären Blitzer nicht vorab zu veröffentlichen. Auch andere beteiligte Bundesländer halten sich mit Informationen über konkrete Kontrollstellen zurück, um die Wirkung der Aktion zu erhöhen.
Peggy Baier, Leiterin der Verkehrspolizei in der Brandenburger Polizeidirektion West, machte deutlich, worauf die Kontrollen abzielen: „Wir werden unsere Geschwindigkeitsmessgeräte nicht nur auf Bundesautobahnen aufstellen, sondern uns auf die ländlichen Bereiche, insbesondere Alleen, konzentrieren." Alleen sind häufig von Bäumen gesäumt, weshalb Unfälle dort oft besonders schwerwiegende Folgen haben. Die Polizei will mit den Kontrollstellen an solchen Orten die Zahl der schweren Verkehrsunfälle reduzieren.
Die Statistik: Weniger Tote, aber noch immer zu viele
Die Verkehrssicherheit in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. 2025 starben bei Unfällen im Straßenverkehr nach Angaben des Statistischen Bundesamts mehr als 2.800 Menschen. Das sind zwar 62 Getötete mehr als im Jahr zuvor, aber deutlich weniger als 1995, als noch rund 9.500 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben verloren. Trotz dieses langfristigen Trends zeigt die jüngste Entwicklung, dass die Zahl der Verkehrstoten wieder ansteigen kann. Genau hier setzt die Speedweek an: Mit mehr Kontrollen und sichtbarer Präsenz will die Polizei Temposündern das Handwerk legen.
Hintergrund der Aktion ist auch die Einsicht, dass Geschwindigkeitsverstöße häufig zu schweren Unfällen führen. Bei einem Aufprall mit hoher Geschwindigkeit sind die Folgen für Fahrer, Mitfahrer und andere Verkehrsteilnehmer oft verheerend. Kontrollen könnten dazu beitragen, das Unfallrisiko zu senken, so die Überlegung der beteiligten Innenministerien.
Kein Hauptkontrolltag – Blitzer an jedem Tag
Anders als bei der Aktion im Frühjahr gibt es laut ADAC diesmal keinen zentralen Hauptkontrolltag. Die Polizei verteilt die Kontrollen über die gesamte Woche. Das bedeutet für Autofahrer: An jedem Tag können sie mit Geschwindigkeitsmessungen rechnen – auf Autobahnen, Landstraßen und auch innerorts. Die Bußgeld- und Punkteverordnung gilt dabei wie üblich: Je nach Verstoß drohen Verwarnungsgelder, Bußgelder, Punkte in Flensburg oder sogar Fahrverbote.
Besonders betroffen von der Aktionswoche sind Urlauber, die in den Ferien unterwegs sind. Die Kontrollen fallen in die Sommerferienzeit vieler Bundesländer. Das erhöht die Zahl der Fahrzeuge auf den Fernstraßen. Für die Polizei ist das ein Grund, gerade auf den touristisch stark genutzten Strecken vermehrt zu kontrollieren.
ADAC und AvD: Unterstützung, aber auch Kritik
Der ADAC Nordrhein hat die dauerhaft verstärkten Kontrollen an Unfallschwerpunkten begrüßt. Der Automobilclub sieht darin ein sinnvolles Mittel, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) spricht sich für kontinuierliche Geschwindigkeitsmessungen an solchen Stellen aus. Allerdings übt der AvD Kritik am Zeitpunkt der Aktionswoche: Sie falle in die Hauptreisezeit und könne bei Autofahrern den Eindruck erwecken, dass es bei den Kontrollen vor allem um Einnahmen gehe. Der AvD betont, Kontrollen sollten nicht „in erster Linie der Einnahmeerzielung dienen".
Genau dieser Eindruck lässt sich nach Ansicht des AvD vermeiden, wenn Geschwindigkeitsmessungen regelmäßig und transparent an Unfallschwerpunkten stattfinden – und nicht nur im Rahmen von kurzen Aktionswochen. Der ADAC hingegen sieht die Speedweek als sinnvolle Ergänzung, um die Bedeutung von Tempolimits ins Bewusstsein zu rufen.
Bilanz aus dem April: Zehntausende Verstöße
Wie groß das Problem überhöhter Geschwindigkeit ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen aus der vergangenen Aktionswoche. Allein in Baden-Württemberg wurden bei der europaweit abgestimmten Geschwindigkeitskontrollwoche im April 58.347 Verstöße festgestellt. Diese Zahl verdeutlicht, dass viele Autofahrer die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten nicht einhalten. Es ist davon auszugehen, dass auch die aktuelle Speedweek wieder Tausende Verstöße ans Licht bringt.
Die Kontrollen enden am kommenden Sonntag. Danach wird die Polizei weiterhin regelmäßig Geschwindigkeiten überwachen, wenn auch in geringerem Umfang. Im kommenden Jahr wird es turnusgemäß wieder Speedweeks im April und August geben, die von Roadpol koordiniert werden.



