Bahns Super-Sparpreis: Tagsüber an drei von vier Tagen nicht verfügbar
Super-Sparpreis der Bahn tagsüber oft nicht verfügbar

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat die Preisgestaltung der Deutschen Bahn im Fernverkehr untersucht. Das Ergebnis: Wer tagsüber mit dem Zug reisen möchte, hat nur selten die Chance, den beworbenen Super-Sparpreis zu ergattern. An rund drei Vierteln der untersuchten Tage war das günstigste Ticketangebot für Fahrten zwischen 7 und 19 Uhr in der zweiten Klasse nicht verfügbar, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter Berufung auf den Verbraucherzentrale Bundesverband berichtet.

Stattdessen lagen die Super-Sparpreise an diesen Tagen zwischen 15 und 157 Prozent über dem beworbenen Werbepreis. Das bedeutet: Selbst wenn Fahrgäste das günstigste verfügbare Ticket buchten, mussten sie oft deutlich mehr zahlen, als die Marketingversprechen der Bahn vermuten ließen.

23 Monate Preisbeobachtung

Die Verbraucherschützer haben die Preise 23 Monate lang verfolgt, bis Ende April. Sie erfassten jeweils den günstigsten verfügbaren Super-Sparpreis für Fahrten in der zweiten Klasse. Nur an knapp jedem vierten Erhebungstag entsprach dieser Preis dem beworbenen Super-Sparpreis oder lag sogar darunter. An den restlichen Tagen war das werblich herausgestellte Schnäppchen schlicht nicht verfügbar.

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Ramona Pop, Verbandschefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, forderte in der „FAZ“ eine grundlegende Reform des Preissystems: „Wer mit besonders günstigen Preisen wirbt, sollte gewährleisten, dass diese öfter auch zu üblichen Reisezeiten verfügbar sind.“ Das System müsse einfacher und transparenter werden.

Bahn weist Kritik zurück

Die Deutsche Bahn wies die Untersuchung entschieden zurück. Eine Sprecherin sprach von „erheblichen methodischen Mängeln“. Aus Sicht des Konzerns blendet der Untersuchungszeitraum von 7 bis 19 Uhr wichtige Pendlerverbindungen aus – etwa Sprinterfahrten kurz nach 6 Uhr morgens oder Direktverbindungen abseits der großen Städte. Gerade auf diesen Strecken seien häufig günstige Ticketkontingente verfügbar.

Die Bahn betonte, dass das Angebot an günstigen Tickets so groß sei wie nie zuvor. „Aktuell sind so viele Billigtickets wie noch nie auf dem Markt“, sagte die Sprecherin. Man wolle Fahrgäste mit flexiblen Preisen zu einer auslastungsorientierten Buchung motivieren.

Freitag und Sonntag sind am teuersten

Die Untersuchung der Verbraucherschützer förderte noch weitere Unterschiede zutage. Über alle Ticketarten hinweg sind Fahrkarten am Freitag und Sonntag deutlich teurer als an anderen Wochentagen. Durchschnittlich lägen die Preise dann 71 Prozent über den günstigsten Wochentagen Dienstag und Mittwoch. Wer flexibel ist, sollte also bevorzugt diese Tage wählen.

Auch die Uhrzeit spielt eine Rolle: Bei Fahrten am späten Nachmittag ist die Chance auf günstige Fahrkarten höher als am Vormittag. Das dürfte an der Nachfrage liegen, die in den Morgenstunden durch Berufspendler besonders hoch ist.

Dynamisches Preissystem der Bahn

Der Super-Sparpreis ist das günstigste Ticketangebot im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Das Unternehmen setzt seit Jahren auf ein dynamisches Preismodell zur Auslastungssteuerung: Je nach Nachfrage und Buchungszeitpunkt variieren die Preise erheblich. Früh gebuchte Tickets sind in der Regel günstiger, während kurzfristige Buchungen zu Spitzenzeiten teurer ausfallen.

Verbraucherschützer kritisieren dieses Modell schon länger. Für Fahrgäste sei es kaum vorhersehbar, wann sie ein Schnäppchen bekommen. Die Bahn hält dagegen, dass das Modell eine optimale Auslastung ermögliche und gleichzeitig günstige Tickets für alle anbiete, die frühzeitig planen.

Letztlich bleibt den Fahrgästen nur der Rat, die Preise zu vergleichen und flexible Reisezeiten zu wählen. Wer unter der Woche unterwegs ist und den späten Nachmittag nutzt, hat die besten Chancen auf ein günstiges Ticket. Doch das beworbene Super-Sparpreis-Niveau ist tagsüber offenbar ein seltener Glücksfall.

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