Spionage-Affäre: Tonda Eckert spricht über Morddrohungen
Spionage-Affäre: Tonda Eckert spricht über Morddrohungen

Der deutsche Trainer Tonda Eckert hat im Interview mit dem Fachmagazin „Kicker“ tiefe Einblicke in die seelischen Folgen der Spionage-Affäre beim englischen Zweitligisten FC Southampton gegeben. Der 33-Jährige berichtete von Morddrohungen, die ihn dazu zwangen, sein Alltagsverhalten zu ändern. „Ja, das konnte auch nicht mehr ohne Polizei ablaufen“, sagte Eckert dem Fachmagazin. „Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst zu fahren, sondern hinten im Auto zu sitzen. Das war sehr schwierig.“

Die Affäre hatte für den Verein weitreichende Konsequenzen: Eine unabhängige Disziplinarkommission der English Football League (EFL) schloss den FC Southampton von den Championship-Playoffs aus, womit die Mannschaft die Chance auf den Aufstieg in die Premier League verpasste. Zusätzlich verhängte die Kommission einen Abzug von vier Punkten für die kommende Saison 2024/25. Die Playoffs hätten die letzte Möglichkeit auf den Aufstieg in die höchste englische Spielklasse bedeutet.

„Ein permanentes Gedankenkarussell“

Eckert erklärte, dass die Ereignisse ihm auch psychisch nahegegangen seien. Auf die Frage, ob es schlaflose Nächte gegeben habe, antwortete er: „Es gab sie. Vor allem gab es ein permanentes Gedankenkarussell. Als Cheftrainer bin ich für eine Entscheidung verantwortlich, die wir sehr bereuen.“ Die öffentliche Reaktion habe ihn überwältigt: „Die Konsequenzen hätten für den Verein und die Mannschaft kaum härter sein können. Dann kommt eine öffentliche Wucht, auf die einen nichts vorbereitet.“

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Morddrohungen hätten das Ausmaß der Affäre zusätzlich verschärft. Eckert schilderte, dass er ohne polizeiliche Begleitung nicht mehr aus dem Haus gegangen sei. „Ja, das konnte auch nicht mehr ohne Polizei ablaufen“, sagte er. „Ich möchte nicht auf Details eingehen, nur so viel: Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst zu fahren, sondern hinten im Auto zu sitzen. Das war sehr schwierig.“ Sein Umfeld habe ihm geraten, in der Öffentlichkeit besondere Vorsicht walten zu lassen.

Eckert übernimmt die Verantwortung

Der gebürtige Deutsche betonte, dass die Entscheidung, gegnerische Trainings auszuspionieren, nicht allein bei seinen Mitarbeitern gelegen habe. „Ich wusste es nicht, nein. Ich habe es aber autorisiert, deshalb liegt die Gesamtverantwortung bei mir“, sagte er. In England bündele die Rolle des Managers viele Aufgaben, was die Situation erkläre. „Die Entscheidung war falsch und hatte riesige Folgen für Spieler, Fans und den Verein.“

Der 33-Jährige machte deutlich, dass er aus den Fehlern lernen wolle. Zugleich verwies er auf die besonderen Anforderungen des englischen Fußballs, in dem der Manager weit mehr Verantwortung trage als ein typischer Trainer in Deutschland. Die Vorgänge hätten ihn demütig gemacht und würden ihn noch lange beschäftigen.

Spionage-Vorwurf: Trainingsbeobachtung verboten

Nach Ansicht der Disziplinarkommission hatte Eckert seine Mitarbeiter beauftragt, Trainingseinheiten von Gegnern zu beobachten. Der Trainer habe dies selbst eingeräumt. Laut den Regularien der EFL ist diese Praxis ausdrücklich untersagt, da sie den Wettbewerb verfälschen kann. Der Ausschluss aus den Playoffs und die Punktstrafe seien die Folge des Verstoßes gewesen.

Der FC Southampton muss damit in der neuen Spielzeit mit einem Minus von vier Punkten starten. In der hart umkämpften Championship, in der 24 Mannschaften um den Aufstieg spielen, kann ein solcher Abzug über Auf- oder Abstieg entscheiden. Zudem hat der englische Fußballverband (FA) Anklage gegen Eckert persönlich erhoben. Ihm droht eine Sperre, die über die Vereinsstrafe hinausgeht. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Die kommende Saison könnte für Southampton nun deutlich schwerer werden als geplant.

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