Eisgeschichte: Vom Luxusgut zur Kugel bei Luicella's
Eisgeschichte: Vom Luxusgut zur Kugel

Schon vor rund tausend Jahren mussten viele Menschen ran, wenn ein ägyptischer Sultan Lust auf Eis verspürte. Boten machten sich auf den Weg ins heutige Syrien, um Schnee und Eis zu bestellen. Arbeiter schlugen dort Eisblöcke aus den Bergen, verpackten sie in Holzkisten und luden sie auf Kamele. Wie bei einem Staffellauf übergaben die Kamelreiter die kostbare Fracht an die nächsten Reiter – denn es musste alles sehr schnell gehen, damit das Eis unterwegs nicht schmolz. In Kairo angekommen, wurde das Eis in den Palast gebracht, wo der Herrscher es vermutlich mit gezuckertem Rosenwasser löffelte. Ein Reisender berichtete, dass die Küche des Sultans um das Jahr 1040 täglich mit 14 Kamelladungen Eis beliefert wurde.

Einfach die Tiefkühltruhe öffnen und einen Becher Schokoeis herausholen – das war damals natürlich undenkbar. Eis galt über viele Jahrhunderte als Luxusgut, das aufwendig zu beschaffen und schwierig zu lagern war. Heute hingegen ist Eis nahezu überall auf der Welt erhältlich und erfreut sich großer Beliebtheit. In Sizilien genießt man Granita, in Dänemark Softeis, in Südkorea Bingsu mit roter Bohnenpaste, in Japan Eiscreme in einer Hülle aus Mochi-Reis und in Deutschland gibt es das berühmte Spaghetti-Eis.

Vom Luxusgut zum Massenprodukt

Bevor es Kühlschränke gab, schlugen Menschen im Winter Eisblöcke aus zugefrorenen Seen und lagerten sie in tiefen Kellern. Hauptsächlich dienten sie dazu, Lebensmittel kühl zu halten. Doch schon mehrere Tausend Jahre vor den alten Griechen und Römern entdeckten die Chinesen das Genuss-Potenzial von Eis und Schnee: Sie mischten es mit Früchten, Gewürzen und Honig – eine Speise, die wir heute Sorbet nennen. Später fanden die Chinesen heraus, dass Kaliumnitrat, auch Salpeter genannt, dem Wasser Wärme entzieht, wenn man es hineinrührt. Dadurch wird das Wasser extrem kalt, sodass Fruchtsäfte abgekühlt oder sogar zum Gefrieren gebracht werden konnten.

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Im Jahr 1843 revolutionierte die US-Amerikanerin Nancy Johnson die Eisproduktion: Sie erfand eine Eismaschine, die per Handkurbel funktionierte und die Herstellung erheblich erleichterte. Rund drei Jahrzehnte später entwickelte der deutsche Ingenieur Carl von Linde eine Kältemaschine. Damit verlor Eis endgültig seinen Luxusstatus und wurde für viele Menschen erschwinglich.

Vom Penny Lick zur Eistüte

Nach der Erfindung der Kältemaschine wurde Eis zunehmend auf der Straße verkauft. Händler zogen mit Karren durch Metropolen wie New York oder London und füllten das Eis mit einem Holzspatel in kleine Glasbecher, die sogenannten Penny Licks – für einen Pfennig konnten Kunden das Eis aus dem Glas lecken. Anschließend gaben sie den Becher an den Händler zurück, der ihn direkt wieder befüllte, ohne ihn abzuwaschen.

Das hatte unangenehme Folgen: Viele Menschen steckten sich beim Eisessen mit Tuberkulose an, woraufhin zahlreiche Städte die Eiswagen verboten. Der italienische Einwanderer Italo Marchiony, der in New York lebte, kam dadurch auf eine geniale Idee: Warum sollte man nicht einfach den Becher mitessen? Er erfand die gerollte Eiswaffel. Für diese Erfindung wurde ihm in seiner italienischen Heimatstadt ein Denkmal errichtet.

Eisdielen in Deutschland

Auch in Deutschland waren fahrende Eiswagen nach dem Zweiten Weltkrieg verboten. Deshalb verkauften Eismacher ihre Ware direkt aus der heimischen Küche. In den Städten öffneten sie einfach die Tür zum Hausflur, der damals als Diele bekannt war. Die Gäste saßen dort und aßen ihre Kugeln – so entstand der Name Eisdiele, der bis heute üblich ist.

Heute gibt es in Deutschland rund 4800 Eisdielen. Zehn davon gehören zu der Hamburger Kette Luicella’s Ice Cream, deren Mitgründer der frühere Weltrekord-Schwimmer Markus Deibler ist.

Luicella’s: Kreative Sorten aus Hamburg

Luicella’s verfügt über einen großen Rezeptfundus und kreiert seit etwa zehn Jahren eigene Eissorten. Neben Klassikern wie Stracciatella gibt es ausgefallene Kreationen wie Frischkäse-Karottenkuchen oder Birne-Salbei. In der Testküche der Kette stehen Zutaten in Gläsern bereit, und es wird fleißig experimentiert – nicht jeder Versuch gelingt. Marie, die bei Luicella’s in der Entwicklung arbeitet, verrät: „Einmal habe ich versucht, geschmolzenen Käse ins Eis zu rühren. Das war nicht lecker."

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