CSD-Verein nach Anschlag: „Wir lehnen jede Gewalt ab“
CSD-Verein: „Wir lehnen jede Gewalt ab“

Eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat sich der veranstaltende Verein erneut zu Wort gemeldet. Julia Miosga vom Vorstand des Berliner CSD e.V. sagt im Gespräch mit der Berliner Morgenpost: „Wir lehnen jede Form von Gewalt ab – ob rechte oder religiöse Ideologie.“

Die Tat hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst: Ein islamistisch motivierter Täter hatte am CSD im Tiergarten eine Frau getötet und 31 weitere Menschen verletzt. Seitdem liegen dort Blumen und Schilder mit Trauerbekundungen.

Wie der CSD-Verein die Tat verarbeitet

Miosga beschreibt die Stimmung im Verein als angespannt. „Uns als Vorstand hat das alles emotional natürlich sehr mitgenommen. Und wir haben alle ein akutes Schlafdefizit“, sagt sie. Jeder verarbeite das anders. „Eine Gruppe aus dem Berliner CSD e.V. hat sich diese Woche spontan dafür entschieden, am Hamburger CSD mit einem eigenen Truck teilzunehmen. Das ist auch eine Art, damit umzugehen – dass man handelt, aktiv wird, weitermacht und sich öffentlich zeigt.“

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Krisenmanagement und Hilfe für Betroffene

Der Verein sei in den vergangenen Tagen zunächst mit der Krisenkommunikation beschäftigt gewesen. „Wir mussten bei der Evakuierung nach der Tat helfen und schauen, dass es unseren Mitgliedern und allen unmittelbar Involvierten den Umständen entsprechend gut geht“, so Miosga. In Zusammenarbeit mit dem Bundesopferbeauftragten und dem Berliner Krisendienst habe man psychologische Kriseninterventionen organisiert. Zudem habe man sich gegenseitig unterstützt und Vermittlungen zu professioneller Hilfe übernommen.

Die eigentliche Tat und ihre Hintergründe hätten zunächst nur wenig Raum eingenommen, räumt Miosga ein. Nun stehe die Aufarbeitung an: „Wir werten jeden CSD im Nachgang aus, das ist Teil des normalen Organisationsprozesses. In diesem Jahr wird der Anschlag natürlich im Fokus stehen.“

Klare Haltung gegen Extremismus – und gegen Instrumentalisierung

Auf die politischen Debatten nach dem Anschlag angesprochen, bleibt Miosga bei der Linie des CSD: „An unserer Haltung hat sich nichts verändert. Wir lehnen jede Form von Gewalt ab. Rechte oder religiöse Ideologien, vor allem terroristische Ideologien, verfolgen das Ziel, die Gesellschaft zu spalten und queere Menschen zu unterdrücken.“

Der islamistische Terror werde klar benannt, ohne zu relativieren. „Aber ebenso möchten wir klarstellen, dass wir uns jedem Versuch entgegenstellen, die Tat für Hass gegen Musliminnen und Muslime und Menschen bestimmter Herkunft zu instrumentalisieren“, betont Miosga. Das Motto des diesjährigen CSD bleibt bestehen: „Haltung ist hot!“ – gegen Extremismus, ob religiös oder rechts. „Mehr denn je und jetzt erst recht“, fügt sie hinzu.

Mahnwache am Sonntag im Tiergarten

Die queere Community brauche nun vor allem einen Ort zum Trauern, sagt Miosga. „Wo man zusammenkommen kann, auch in einem geschützten Rahmen.“ Der LSVD veranstaltet am Sonntag um 18 Uhr eine Mahnwache im Tiergarten. „Das ist eine Form des gemeinsamen Trauerns, aber auch des Zusammenkommens und Zusammenstehens.“

Wichtig sei, dass Angehörige und Freunde zusammenstehen und den Betroffenen Halt bieten. Miosga wünscht sich, dass in der Debatte der Zusammenhalt der Gesellschaft stärker in den Fokus rückt. „Natürlich sind islamistischer und jeder andere Terrorismus zu verurteilen. Der Fokus könnte gern etwas mehr auf dem Zusammenhalt liegen, den es auch gibt.“ Sie berichtet von viel Zuspruch und Unterstützung für den CSD-Verein. „Wir spüren das als CSD e.V. gerade total. Menschen wollen handeln und Gutes tun. Liebe ist stärker als Hass.“

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