In Sachsen-Anhalt könnte die AfD am Wochenende erstmals einen Landrat stellen. Im Saalekreis im Süden des Bundeslandes bewirbt sich der umstrittene AfD-Politiker Uwe Arendt um das Amt. Ein Sieg würde der Partei drei Monate vor der Landtagswahl zusätzlichen Rückenwind verleihen. Aktuelle Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt bei über 40 Prozent und damit auf Platz eins.
Vier Kandidaten für die Nachfolge
Gesucht wird zum 1. November die Nachfolge des amtierenden parteilosen Landrats Hartmut Handschak. Neben Uwe Arendt (AfD) kandidieren Sven Czekalla (CDU), Kerstin Eisenreich (Linke) und Lars Zaruba (parteilos). Arendt steht im Fokus, da gegen ihn ein Disziplinarverfahren der Polizeiinspektion Halle läuft. Laut einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung soll der 59-jährige Polizeibeamte trotz monatelanger Krankschreibung Wahlkampfauftritte absolviert haben. In sozialen Medien wies Arendt die Vorwürfe zunächst zurück, später äußerte er sich nicht mehr dazu.
Rückhalt trotz Verfahren
Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Dennoch genießt Arendt breite Unterstützung. Er selbst zeigte sich überrascht über den Zuspruch: Nach Bekanntwerden der Vorwürfe sei der Wahlkampfstand in Merseburg „völlig überlaufen“ gewesen. Gleichzeitig habe es online Drohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen gegeben. Sein schärfster Konkurrent ist CDU-Kandidat Czekalla, der seinen Wahlkampf stark auf seine Person ausrichtet und den Kampf gegen die AfD als „absolute Herausforderung“ bezeichnet.
Linke will Mitte-Links-Spektrum abdecken
Linken-Kandidatin Eisenreich möchte mit ihrer Kandidatur dem Mitte-Links-Spektrum eine Alternative bieten. Rund 84 Prozent der 182.500 Einwohner des Kreises sind wahlberechtigt. Das endgültige Ergebnis wird am Abend des 9. Juni im Kreiswahlausschuss festgestellt. Eine Stichwahl ist möglich und würde am 28. Juni stattfinden.
Zweiter AfD-Landrat in Thüringen?
Bundesweit war Robert Sesselmann im thüringischen Kreis Sonneberg der erste AfD-Politiker, der zum Landrat gewählt wurde. Im Kreis Saalfeld-Rudolstadt könnte die AfD am Sonntag ein zweites Landratsamt erobern. Dort tritt der Landtagsabgeordnete Thomas Benninghaus an, der dem Lager von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zugerechnet wird. Er muss jedoch eine SPD-Hochburg einnehmen: Seit 2014 ist der Sozialdemokrat Marko Wolfram Landrat, der sein Amt verteidigen will. Dritter Bewerber ist der Bauingenieur und Professor Wolfgang Wehr.



