Die AfD rudert nach einem umstrittenen Wahlkampfauftritt in Dessau-Roßlau zurück. Auslöser ist der Umgang der Partei mit dem Mitsingen der DDR-Hymne durch Bundesparteichef Tino Chrupalla. Nachdem die Szene bundesweit für Kritik gesorgt hatte, bestritt die AfD in sozialen Netzwerken zunächst, dass Chrupalla überhaupt mitgesungen habe. Wenig später verschwanden die entsprechenden Beiträge auf X, Facebook und Instagram jedoch.
Videos zeigen Chrupalla beim Singen der DDR-Hymne
Videos der Veranstaltung belegen, dass Kabarettist Uwe Steimle am Ende des Abends die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ anstimmte. Auf der Bühne standen neben ihm AfD-Bundeschef Tino Chrupalla und Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Anschließend wurde auch die deutsche Nationalhymne gesungen. Chrupalla selbst verteidigte den Gesang der DDR-Hymne gegenüber dem Magazin „stern“. Das Lied drücke „genau die Hoffnung aus, die Bürger empfinden würden“, sagte der AfD-Chef.
Stauffenberg-Enkel kritisiert Steimle scharf
Der Auftritt sorgte aus mehreren Gründen für Empörung. Während der Veranstaltung äußerte sich Uwe Steimle auch über Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und spielte dabei auf das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler an. Steimle sagte: „Mittlerweile muss ich sagen: Wenn ich Friedrich Merz sehe, frag ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn wirklich braucht.“ Karl Graf von Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, reagierte mit deutlicher Kritik. „Ich bin sprachlos. Das ist Geschichtsklitterung par excellence“, sagte er der „Bild“. Sein Großvater habe versucht, „Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen“ – und nun das. „Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft.“ Er warf Steimle vor, Merz mit Hitler gleichzusetzen. Das sei „eine Verharmlosung des Dritten Reichs“.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Außerdem sprach der Kabarettist über ein neues Porträt der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit Blick auf das Bild sagte er zunächst: „Im Moment hängt sie erst mal.“ Anschließend ergänzte er: „Und wenn der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand. Also uns wird schon was einfallen.“ Die Äußerungen Steimles beschäftigen inzwischen die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten ein. Bereits am Mittwoch hatten zahlreiche Politiker sowie Vertreter der DDR-Aufarbeitung das Singen der DDR-Hymne scharf kritisiert.



