Bei der gestrigen Gedenkfeier für das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in Berlin ist es zu einem Eklat gekommen. Ein Nachfahre des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer entfernte einen Kranz der AfD, der am Ehrenmal niedergelegt worden war. Das teilte die Berliner Polizei am Dienstag mit.
„Ungeheure Geschmacklosigkeit“ – Empörung über AfD-Kranz
Der Vorfall ereignete sich am Montagmittag im Ehrenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock. Mehrere Nachfahren von Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944 hatten sich zuvor öffentlich gegen die Teilnahme der AfD an der Zeremonie ausgesprochen. Der Kranz der Partei sei eine „ungeheure Geschmacklosigkeit“, sagte ein Sprecher der Angehörigen. Die AfD habe keinerlei Verbindung zu den Werten des Widerstands.
Der Bonhoeffer-Nachfahre, der namentlich nicht genannt werden wollte, entfernte den Kranz eigenen Angaben zufolge, weil er die Geste der AfD als „Verhöhnung“ der Opfer des Nationalsozialismus empfinde. „Die AfD missbraucht den Gedenktag für ihre Zwecke“, erklärte er gegenüber Reportern. Die Polizei bestätigte, dass der Kranz weggenommen wurde, leitete aber keine weiteren Schritte ein, da keine Straftat vorlag.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Der Vorsitzende der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel, zeigte Verständnis für die Emotionen der Angehörigen, betonte jedoch, dass die Gedenkfeier ein Ort der Besinnung und nicht des Protests sein solle. „Wir bedauern den Vorfall, respektieren aber die tiefe Betroffenheit der Familien“, sagte Tuchel.
Die AfD selbst wies die Kritik zurück. Der Berliner Landesvorsitzende der Partei, Georg Pazderski, erklärte, die AfD ehre den Widerstand gegen Hitler und stehe in der Tradition des 20. Juli. „Es ist skandalös, dass unsere Geste des Gedenkens von linken Aktivisten gestört wird“, so Pazderski. Die Partei erwägt nun eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung.
Politiker anderer Parteien verurteilten das Verhalten der AfD. Der Grünen-Politiker Volker Beck twitterte: „Die AfD hat bei der Erinnerung an den Widerstand nichts zu suchen. Ihre völkische Ideologie ist das Gegenteil von dem, wofür Stauffenberg und Bonhoeffer standen.“ Auch der SPD-Politiker Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, äußerte sich kritisch: „Der 20. Juli ist ein Tag der Demokraten. Die AfD sollte sich fernhalten.“
Hintergrund: Der 20. Juli 1944
Am 20. Juli 1944 verübte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Attentat auf Adolf Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze. Der Anschlag schlug fehl, und die beteiligten Widerstandskämpfer wurden hingerichtet. Der Gedenktag erinnert an den militärischen Widerstand gegen das NS-Regime. In diesem Jahr jährte sich der Anschlag zum 82. Mal. Die zentrale Gedenkveranstaltung im Bendlerblock wird traditionell von Bundeswehr und Politik besucht. Die AfD war erstmals offiziell eingeladen worden, was im Vorfeld zu Kontroversen führte.



