Neonazi Liebich nach Auslieferung aus Tschechien in JVA Chemnitz eingetroffen
Neonazi Liebich in JVA Chemnitz eingetroffen

Die rechtsextremistische Straftäterin Marla Svenja Liebich ist am Dienstag von Tschechien nach Deutschland überstellt worden. Die 55-Jährige traf um 11:40 Uhr in der Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen in Chemnitz ein, wie Oberstaatsanwalt Dennis Cernota der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Liebich habe bei der Ankunft „voll kooperiert“, besondere Vorkommnisse habe es nicht gegeben.

Hintergrund der Flucht und Festnahme

Ursprünglich hätte Liebich ihre einjährige und sechsmonatige Haftstrafe ohne Bewährung bereits Ende August 2025 in Chemnitz antreten sollen. Stattdessen floh sie unter. Im April 2026 wurde sie in Tschechien gefasst und zunächst nach Pilsen (Plzen) gebracht. Das dortige Gericht entschied Anfang Juni 2026, Liebich an die deutschen Behörden auszuliefern. Eine Beschwerde gegen die Auslieferung wies das Oberlandesgericht in Prag als unbegründet ab.

Unterbringung und rechtliche Auseinandersetzung um Geschlechtseintrag

Die JVA Chemnitz wurde als Haftort gewählt, weil sie dem Meldeort Liebichs am nächsten liegt. Vor dem Gericht in Pilsen hatte Liebich angegeben, sie befürchte, in einem deutschen Männergefängnis ums Leben zu kommen. Liebich hatte Anfang 2025 ihren Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen von Sven in Marla Svenja ändern lassen. Kritiker sehen darin einen Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Das Amtsgericht Halle muss noch über die Rückgängigmachung der Änderungen entscheiden. Der Saalekreis hatte im Dezember 2025 einen Antrag auf Berichtigung des Geburtenregisters nach § 48 Personenstandsgesetz gestellt, wie eine Kreissprecherin bestätigte.

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Urteil und Reaktion der sächsischen Justizministerin

Das Amtsgericht Halle hatte Liebich im Juli 2023 wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Die sächsische Justizministerin Constanze Geiert (CDU) erklärte, das rechtskräftige Urteil werde nun „konsequent, rechtsstaatlich“ vollstreckt. Sicherheit und Ordnung in den Justizvollzugsanstalten hätten bei der Unterbringung oberste Priorität. Geiert dankte den tschechischen Behörden und den Ermittlern aus Sachsen-Anhalt.

Lange Vorgeschichte rechtsextremer Aktivitäten

Liebich, geboren 1970 in Merseburg (Saalekreis, Sachsen-Anhalt), organisierte seit 2014 regelmäßig Demonstrationen, oft auf dem Marktplatz in Halle. Dabei kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. In sechs Anklagen erhob die Staatsanwaltschaft unterschiedliche Vorwürfe, darunter Volksverhetzung. Die Richterin bezeichnete Liebich damals als „Gratwanderer“, der in manchen Fällen die Grenze des Rechts überschreite. Frühere Prozesse endeten lediglich mit Geld- oder Bewährungsstrafen.

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