Warum wählen Türkeistämmige die AfD?
Doğan Azman, Generalsekretär der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung, hat im Interview mit dem Tagesspiegel überrascht: Auch türkische Unternehmer wählen zunehmend die AfD. Die Gründe seien vielfältig, aber einer steche hervor: mangelnde Wertschätzung und Respekt. „Türkischstämmige sind nicht nur arm und bildungsfern, wie oft unterstellt wird. Sie haben im Gegenteil beachtliche Aufstiegskarrieren hingelegt. Und trotzdem werden sie aus ihrer Sicht zu wenig anerkannt. Das macht sie wütend“, so Azman.
Enttäuschung über mangelnde Anerkennung
Azman, der als kleiner Junge aus der Türkei nach Berlin kam, spricht aus eigener Erfahrung. Viele Türkeistämmige hätten das Gefühl, trotz ihres Erfolgs nicht als vollwertige Deutsche akzeptiert zu werden. „Sie hoffen, als guter Migrant gesehen zu werden, wenn sie die AfD wählen“, erklärt er. Diese Hoffnung sei jedoch trügerisch, denn die AfD lehne Migration grundsätzlich ab.
Wirtschaftlicher Erfolg und politische Frustration
Die Frustration sei besonders bei erfolgreichen Unternehmern groß, die sich in Deutschland eine Existenz aufgebaut haben. Sie fühlten sich von der Gesellschaft und der Politik im Stich gelassen. Azman betont, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handle, aber der Trend zur AfD sei unübersehbar. „Es ist ein Zeichen von Enttäuschung und Verzweiflung“, so der Generalsekretär.
Integration und Identität
Die Diskussion wirft ein Schlaglicht auf die Integrationsdebatte in Deutschland. Viele Türkeistämmige fühlten sich zwischen den Kulturen zerrissen. Azman fordert mehr Anerkennung für die Leistungen der Migranten. „Integration ist keine Einbahnstraße. Die Gesellschaft muss zeigen, dass sie die Menschen mit Migrationshintergrund wirklich willkommen heißt“, sagt er.



