Scharfe Kritik an AfD-Reise zu Putins Wirtschaftsforum in St. Petersburg
AfD-Reise zu Putins Forum löst Sicherheitsbedenken aus

Politiker von CDU, SPD und Grünen haben die Teilnahme von AfD-Politikern an einem Wirtschaftsforum in Russland als Sicherheitsrisiko scharf kritisiert. Der Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses im Bundestag, Marc Henrichmann, sagte dem „Handelsblatt“: „Solche Reisen sind sicherheitspolitisch hochriskant.“ Russische Geheimdienste nutzten Veranstaltungen wie das sogenannte SPIEF-Forum in St. Petersburg gezielt zur Informationsgewinnung und zur Anwerbung. Wer dorthin reise, müsse wissen: „Man kommt nicht unbeobachtet zurück.“

Kritik an AfD-Delegation

Henrichmann, der auch Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums ist, warf der AfD vor, sich in St. Petersburg von Putins Apparat hofieren zu lassen. Dies sei nicht Friedensdiplomatie, sondern ein politischer Kniefall vor einem Kriegsverbrecher. Der AfD-Delegation gehören die beiden Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier und Steffen Kotré an. Frohnmaier wies die Kritik an der Russland-Reise gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zurück. Als außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag sehe er seine Aufgabe auch darin, unter schwierigen Bedingungen Gesprächskanäle offenzuhalten und deutsche Interessen zu vertreten.

Reise mit Billigung der Fraktionsführung

Frohnmaier und Kotré reisten mit Billigung der AfD-Fraktionsführung nach St. Petersburg. Ein Fraktionssprecher sagte zu AFP: „Die Reisen sind angemeldet worden.“ Angesichts der angespannten internationalen Lage sei es aus Sicht der AfD-Fraktion sinnvoll, Kontakte mit allen Seiten zu pflegen sowie Gesprächskanäle offenzuhalten, um mit relevanten Akteuren aus Wirtschaft und Politik im Austausch zu bleiben. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, stufte die AfD-Teilnahme an dem Forum auf Einladung aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin als sicherheitspolitisch hochproblematisch ein. Er habe Sorge, dass Geheimwissen weitergegeben werden könnte.

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Sicherheitspolitische Risiken

Fiedler sagte dem „Handelsblatt“: „Wir wissen ja aus den Erkenntnissen unserer Sicherheitsbehörden, dass russische Nachrichtendienste gezielt Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern suchen, Einflussoperationen betreiben und versuchen, Informationen abzuschöpfen. Jeder eigenmächtige politische Kontakt mit Vertretern des russischen Machtapparats schafft daher sicherheitspolitische Risiken.“ Auch Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz wies auf Risiken hin. „Die AfD vertritt keine deutschen Interessen. Sie will Deutschland zu einem Außenposten Russlands machen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Geheimdienste-Gremiums dem „Handelsblatt“. Die Vernetzung der AfD mit Diktaturen habe längst ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen, fügte er hinzu.

Vorwurf der Spionage

AfD-Vertreter machten sich gezielt und bewusst zum Sprachrohr von Diktaturen, die Deutschland massiv schaden wollten, warnte von Notz. „Immer wenn es darum geht, unser Land schlechtzureden, arbeiten Vertreter der AfD besonders eng mit dem diktatorischen Regime von Wladimir Putin zusammen.“ Wegen der russischen Offensive in der Ukraine haben westliche Staaten Russland mit Sanktionen belegt und weitgehend vom internationalen Finanzsystem ausgeschlossen. Viele westliche Unternehmen haben sich aus dem Land zurückgezogen. Auch das St. Petersburger Wirtschaftsforum SPIEF, das früher in Anlehnung an das Weltwirtschaftsforum „russisches Davos“ genannt wurde, zeigt inzwischen Russlands Isolierung. Bei früheren SPIEF-Ausgaben waren etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron aufgetreten.

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