Die erste Großstadt greift durch! Im französischen Clermont-Ferrand, einer Stadt mit rund 470.000 Einwohnern, wurde für die Dauer der Fußballweltmeisterschaft eine Ausgangssperre für Jugendliche unter 16 Jahren verhängt. Damit sollen schwere Ausschreitungen verhindert werden. Hintergrund sind die heftigen Krawalle, die nach dem Champions-League-Sieg von Paris Saint-Germain Ende Mai sowie am darauffolgenden Wochenende in der Stadt ausgebrochen waren.
Bürgermeister Bony: Schutzmaßnahme für die Jüngsten
Da an den Ausschreitungen viele Jugendliche beteiligt waren, sieht sich die Stadt nun zu Sicherheitsmaßnahmen gezwungen. Bürgermeister Julien Bony kündigte die Maßnahme mit deutlichen Worten an: „Ich treffe diese Maßnahme nicht gerne, aber ich tue es in voller Verantwortung. Es handelt sich in erster Linie um eine Schutzmaßnahme für die Jüngsten und um eine Maßnahme, die die Eltern in die Pflicht nimmt.“ Die Ausgangssperre gilt von 23.00 Uhr bis 7.00 Uhr morgens und betrifft alle Minderjährigen, die nicht von einem Erwachsenen begleitet werden.
Null Toleranz für nächtliche Ausschreitungen
Bony machte deutlich: „Minderjährige haben zu dieser Uhrzeit nichts auf der Straße zu suchen. Es ist nicht mehr hinnehmbar, dass Horden von Minderjährigen unsere Ordnungskräfte oder die Terrassen der Gastronomen angreifen. Wir werden das nicht tolerieren. Das ist der Sinn dieses Erlasses.“ Die Sicherheitsmaßnahmen beschränken sich jedoch nicht nur auf die Jugendlichen. Um Ausschreitungen im Umfeld der WM zu unterbinden, hat Clermont-Ferrand auch sämtliche öffentlichen Übertragungen der Spiele im Freien untersagt – etwa in Außenbereichen von Gaststätten. Public-Viewing-Veranstaltungen werden nicht genehmigt, selbst wenn Frankreich das Finale erreichen sollte.
900 Festnahmen nach PSG-Sieg
Bereits nach dem PSG-Sieg war es insbesondere im Großraum Paris, aber auch in anderen französischen Großstädten zu schweren Krawallen gekommen. Die Behörden vermuten dahinter Krawallmacher, die nichts mit den eigentlichen Fußballfans zu tun haben. Landesweit wurden knapp 900 Personen festgenommen. Die Ausschreitungen haben eine öffentliche Debatte über Gewalt und Zerstörung entfacht, die in Frankreich immer wieder nach Freudenfeiern bei Sportereignissen aufflammen. Befristete nächtliche Ausgangssperren für Jugendliche wurden bereits in einigen Städten verhängt, etwa um Gewalt im Zusammenhang mit Drogenhandel einzudämmen.



