London – Das politische Beben in Großbritannien setzt sich fort. Der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting (43) hat offiziell seine Kandidatur für den Vorsitz der Labour-Partei angekündigt, was ihn zum Herausforderer von Premierminister Keir Starmer (63) macht. Streeting erklärte vor Reportern in London, dass er antreten werde, um einen echten Wettbewerb zu ermöglichen. Der Posten des Parteivorsitzenden ist in Großbritannien mit dem Amt des Premierministers verbunden.
Streeting, der kürzlich aus Starmers Kabinett zurückgetreten war, bezeichnete den Brexit als „katastrophalen Fehler“ und forderte eine neue „besondere Beziehung“ zur Europäischen Union. Er betonte, dass Großbritanniens Zukunft in Europa liege und dass das Land eines Tages wieder der EU beitreten solle. Dies sei notwendig, um Wirtschaft und Handel wieder aufzubauen, die Verteidigung zu stärken und der „America first“-Politik von US-Präsident Donald Trump entgegenzutreten.
Der Rücktritt Streetings wurde bereits als Auftakt für eine Kampagne gegen Starmer gewertet. Die Situation erinnert an den Sturz von Boris Johnson vor knapp vier Jahren, als Finanzminister Rishi Sunak mit seinem Rücktritt die Revolte auslöste. Starmer steht massiv unter Druck, nachdem Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen schwere Verluste erlitt. Die rechtspopulistische Partei „Reform UK“ von Nigel Farage gewann mehr als 1400 Sitze, während Labour über 1300 Sitze verlor.
Mindestens 80 Abgeordnete haben Starmers Rücktritt oder einen Zeitplan für seinen Abgang gefordert. Mit Streeting als politischem Schwergewicht, das nun offen gegen ihn antritt, wird Starmers Position weiter geschwächt. Die nächsten Wochen könnten entscheidend für die Zukunft der Labour-Partei und der britischen Regierung sein.



