Großbritannien investiert Milliarden in Drohnen und KI für Streitkräfte
Briten setzen auf Drohnen und KI statt teurer Kriegsschiffe

Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer hat am Montag den größten Umbau der Streitkräfte seit Generationen angekündigt. Statt teurer Kriegsschiffe setzt London künftig verstärkt auf unbemannte, autonome und von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuerte Waffensysteme wie Drohnen.

Fünf Milliarden Pfund zusätzlich für Drohnen

In den kommenden vier Jahren will Großbritannien fünf Milliarden Pfund (etwa 5,75 Milliarden Euro) zusätzlich für Drohnen und andere autonome Waffen ausgeben. Davon profitieren sollen nicht nur die Royal Air Force, sondern auch die Armee und die königliche Marine, die künftig verstärkt mit unbemannten Waffensystemen ausgerüstet werden.

Starmer kündigte an, dass der Verteidigungsetat bis 2029 auf 80 Milliarden Pfund und bis 2030 auf 2,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen soll. Nato-Generalsekretär Mark Rutte begrüßte den Investitionsplan als einen „guten Schritt“, um die Nato-Kernausgaben für Verteidigung bis 2035 auf mindestens 3,5 Prozent des BIP zu steigern.

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Aufrüstung reicht nicht für die Nato-Ziele

US-Präsident Donald Trump drängt die Europäer, bis 2035 insgesamt fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für nationale Sicherheit auszugeben. Großbritannien werde diesen Wert nach Angaben Starmers mit 4,2 Prozent fast erreichen. Britische Militärexperten halten die geplante Aufrüstung jedoch nicht für ausreichend und schätzen die Finanzierungslücke auf etwa 28 Milliarden Pfund.

„Wir können mit unseren Verbündeten nicht mithalten, mit unseren Feinden schon gar nicht“, sagte Ex-General Richard Barrons, der 2025 für die Regierung in der sogenannten „Strategic Defense Review“ den Nachholbedarf errechnet hatte.

Finanzierungsprobleme und Kritik

Starmers Parteifreund John Healey war im Juni als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er sich mit seinen Finanzwünschen im Kabinett nicht durchsetzen konnte. Healey hatte mindestens 18 Milliarden Pfund zusätzlich gefordert. Der Premierminister war jedoch nicht bereit, für höhere Verteidigungsausgaben größere Einschnitte bei der staatlichen Gesundheitsversorgung oder Bildung in Kauf zu nehmen.

Auch eine Finanzierung der Investitionen auf Pump lehnt er angesichts der prekären Finanzlage ab. Damit muss Andy Burnham, der Starmer aller Voraussicht nach Mitte Juli als Premierminister ablösen wird, den Finanzengpass lösen. In London wird dabei auch über die Ausgabe von „Kriegsanleihen“ diskutiert.

Hohe Staatsverschuldung als Hürde

Die Staatsverschuldung Großbritanniens liegt bereits bei knapp 100 Prozent des BIP. Das Königreich zahlt deshalb für neue Kredite deutlich höhere Zinsen auf den Anleihemärkten als zum Beispiel Deutschland, dessen Staatsschuld Ende 2025 bei etwa 63 Prozent lag.

Parallelen zu Deutschland und Ukraine als Vorbild

Beide Länder stehen vor der gleichen Herausforderung, ihre Streitkräfte angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland und des technologischen Wandels in der Kriegsführung schnell und umfassend zu modernisieren. Die Ukraine ist dabei für viele Nato-Staaten zum Vorbild geworden und setzt jeden Monat etwa 200.000 Drohnen im Kampf gegen Russland ein.

Bildeten britische Militärberater nach dem russischen Angriff im März 2022 noch ukrainische Soldaten aus, sind es nun die Briten und andere westliche Nationen, die sich in Kiew beraten lassen, wie die Kriege von morgen ausgefochten werden.

Neue Strategie: Kommandoschiffe und Unterwasser-Drohnen

Statt das Geld für neue Zerstörer und Fregatten auszugeben, investieren die Briten künftig in kleinere, sogenannte Kommandoschiffe, die im Verbund mit autonomen Unterwasser-Drohnen agieren. Über die nächsten vier Jahre beabsichtigt Großbritannien, insgesamt fast 300 Milliarden Pfund für seine Landesverteidigung auszugeben.

Mehr als acht Milliarden Pfund sollen in die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs im Rahmen des „Global Combat Air Programme“ (GCAP) fließen, das die Briten zusammen mit Japan und Italien betreiben. Der frühere Minister für Streitkräfte, Al Carns, hat auch eine deutsche Beteiligung an GCAP ins Spiel gebracht. „Ich bin ein großer Fan Deutschlands“, sagte der Labour-Politiker, der im Regierungsteam des Premiers in spe, Burnham, eine wichtige Rolle spielen könnte.

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