Die britische Zentralregierung und Regionalregierungen haben während der Coronapandemie knapp zehn Milliarden Pfund (rund 11,7 Milliarden Euro) beim Einkauf von Schutzausrüstung verschwendet. Dies geht aus dem fünften Bericht einer von der pensionierten Richterin Heather Hallett geleiteten Untersuchung hervor, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtet. Die Verschwendung von Steuergeldern sei „riesig“ gewesen, kritisierte Hallett. Betroffen seien zwei Drittel der für Schutzausrüstung ausgegebenen Mittel. Dutzende Millionen seien zudem für unbrauchbare Ausrüstung ausgegeben worden.
Keine Korruption, aber falsche Prioritäten
Die Untersuchung fand demnach keine Beweise für Vetternwirtschaft oder Korruption. Es seien jedoch falsche Prioritäten gesetzt worden, etwa auf schnelle, von Regierungsmitgliedern vermittelte Aufträge. Dies sei ein fehlgeleitetes und unfaires System gewesen, das das öffentliche Vertrauen in die Beschaffung untergraben habe. Verträge, die auf diese Weise zustande kamen, seien teurer gewesen und hätten mehr Probleme verursacht als herkömmlich zustande gekommene Verträge.
Chaotischer Umgang mit der Pandemie
Der chaotische Umgang mit der Coronapandemie hatte der britischen Regierung unter dem damaligen Premierminister Boris Johnson bereits große Kritik eingebracht. Laut der Johns-Hopkins-Universität in den USA starben im Vereinigten Königreich mehr als 220.000 Menschen mit einer Covid-19-Infektion bei insgesamt 24,7 Millionen Infektionen. Ein im November 2025 veröffentlichter Untersuchungsbericht war bereits zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung zu wenig und zu spät auf die Pandemie reagiert hatte. Kritisiert wurde unter anderem eine unentschlossene Führung Johnsons.
Johnsons Reaktion auf den Bericht
Der Ex-Premier reagierte nach der Veröffentlichung des aktuellen Berichts mit Unverständnis. Er brauche keine Belehrung durch eine Untersuchung über den Umgang seiner Regierung mit der Pandemie, sagte Johnson laut PA. „Wir haben eine Menge Schutzausrüstung in unglaublicher Geschwindigkeit beschafft, und ich bin sehr stolz auf das Ergebnis.“



