Der neue britische Premierminister Andy Burnham hat kurz nach seiner Ernennung die Weichen für die Zukunft gestellt. Am Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt, ordnete der 56-Jährige das Kabinett neu und führte erste wichtige Telefonate, darunter mit US-Präsident Donald Trump.
Überraschende Personalien im Kabinett
Zum neuen Finanzminister (Chancellor of the Exchequer) berief Burnham überraschend den früheren Verteidigungsminister John Healey. Healey hatte das Kabinett im Juni aus Protest gegen den Kurs von Burnhams Vorgänger Keir Starmer verlassen, insbesondere wegen der Höhe der Verteidigungsausgaben. „Die Berufung zum Chancellor of the Exchequer ist die größte Ehre“, sagte Healey. „Gemeinsam werden wir eine neue Wirtschaft aufbauen, neue Hoffnung schaffen und die Interessen der arbeitenden Menschen in diesem Land voranbringen.“
Ebenfalls überraschend wurde der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting als Verteidigungsminister berufen. Streeting galt kurzzeitig als Rivale Burnhams um den Parteivorsitz, zog sich aber nach Burnhams Einzug ins Parlament zurück. Auf der Plattform X versicherte er: „Wir werden sicherstellen, dass unsere Streitkräfte über die notwendigen Ressourcen verfügen, und unseren internationalen Verbündeten, insbesondere der Ukraine, entschlossen zur Seite stehen.“
Alte Bekannte und neue Gesichter
Neuer Außenminister ist der bisherige Energieminister und ehemalige Labour-Parteivorsitzende Ed Miliband, der zwischenzeitlich als Finanzminister gehandelt wurde. Sein Bruder David Miliband war bereits Außenminister unter Premier Gordon Brown. Die bisherige Außenministerin Yvette Cooper wechselt ins Gesundheitsministerium. Innenministerin bleibt Shabana Mahmood.
Mit Angela Rayner kehrt ein bekanntes Gesicht der Partei-Linken als Wohnungsbauministerin zurück. Sie hatte diese Rolle bereits unter Keir Starmer von 2024 bis 2025 inne und war zeitweise Vize-Premierministerin, musste aber wegen einer Steueraffäre zurücktreten. Inzwischen ist sie vom Verdacht der Steuerhinterziehung entlastet.
Etliche Vertraute von Starmer spielen unter dem neuen Regierungschef keine große Rolle mehr, darunter der frühere Vize-Regierungschef und Justizminister David Lammy sowie die bisherige Finanzministerin Rachel Reeves. Lammy sagte der Nachrichtenagentur PA: „Ich wäre stolz gewesen, weiterhin im Kabinett zu dienen. Aber ein neuer Premierminister hat das Recht, sein eigenes Team zusammenzustellen.“
Telefonat mit Trump: „Sehr gut“
Eine der ersten Amtshandlungen war ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Unter Starmer war das Verhältnis zur US-Regierung merklich abgekühlt, was vor allem an Trump lag. Auf Truth Social bezeichnete Trump das Gespräch als „sehr gut“ und erklärte: „Der Premierminister hat eine große Aufgabe vor sich, aber er wird sie meistern können, und natürlich werden die USA ihm dabei zur Seite stehen!“
In einer Mitteilung der Downing Street hieß es, Burnham habe bei dem Gespräch seine Vision dargelegt, „dass sein Schwerpunkt auf der Reindustrialisierung des gesamten Landes liegen werde“. Zudem bekräftigte er sein Engagement für Verteidigung und Sicherheit. Konkret ging es laut Trump um „Nordseeöl, Handel, das Militärbündnis, die Minenräumung in der Straße von Hormus und viele andere Themen“. Trump hatte Burnham zuvor als „Bürgermeister einer Kleinstadt“ und „extrem liberal“ bezeichnet, äußerte nun aber Hoffnung, dass Burnham wieder Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee erlauben könne.
Gespräche mit Macron, Selenskyj und Merz
In einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ging es um die weitere Unterstützung der Ukraine, unter anderem durch die gemeinsame Leitung der sogenannten Koalition der Willigen. Burnham telefonierte auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Bezüglich des Nahen Ostens waren sich Macron und Burnham einig, dass die Bemühungen um Deeskalation fortgesetzt und die Straße von Hormus wieder geöffnet werden müsse. Macron äußerte zudem den Wunsch, dass die Beziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich auch den Beziehungen zur EU neuen Schwung verleihen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte Burnham am Montagmittag und schrieb: „Das Vereinigte Königreich und Deutschland sind einander enge Verbündete und Partner. Gerade in diesen Zeiten beweist sich unsere tiefe Verbundenheit. Sehr gern möchte ich mich mit Ihnen zu den vor uns liegenden Herausforderungen austauschen und lade Sie daher gern zu einem baldigen Besuch nach Berlin ein.“



