Berlin erlebte am 25. Juli 2026 eine der dunkelsten Nächte seiner Geschichte. Während rund 700.000 Menschen den Christopher Street Day (CSD) feierten, nutzte der mutmaßliche Terrorist Abdul Ballout eine Sicherheitslücke im Tiergarten, um mit einem weißen Citroën-Transporter in die Menschenmenge zu rasen. Der Anschlag forderte mehrere Verletzte, der Täter flüchtete und wird bundesweit gesucht.
Die Sicherheitslücke im Tiergarten
Der Zugang zum Berliner Tiergarten zwischen Lennéstraße und Ebertstraße war nicht durch Poller oder Hamburger Gitter gesichert. Dieses Schlupfloch, groß genug für ein Lieferfahrzeug, nutzte der Attentäter. Der Tiergarten selbst gehörte nicht zur offiziellen Veranstaltungsfläche des CSD, was die Lücke offen ließ. Gegen 22 Uhr fuhr Ballout mit einem weißen Citroën-Transporter durch diese Stelle und raste mit hoher Geschwindigkeit mehrere Hundert Meter über die Grünfläche. Nach Rekonstruktion der Ermittler kam er dabei vom Ahornsteig ab und fuhr bewusst über Gras, um Menschen zu verletzen. Er touchierte Bäume, bis das Fahrzeug frontal an einem Baum prallte. Beide Airbags lösten sich aus.
Ablauf des Anschlags
Nach dem Aufprall stieg Ballout aus und griff Passanten mit einer Machete an, bevor er vom Tatort flüchtete. Die Polizei geht von mindestens einem Täter aus und schließt Mittäter nicht aus. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) deutet alles auf einen islamistischen Terroranschlag hin. „Wir stehen fassungslos und tief erschüttert vor diesem schrecklichen Anschlag. Unsere Gedanken, unsere Trauer, unsere Gebete sind bei den Opfern, bei den Angehörigen“, so Dobrindt am Tatort. Er schilderte die ersten Minuten: „Es bot sich ein schreckliches Bild, das Fahrzeug hat mehrere Verletzte zurückgelassen, die von anderen Passanten sofort unterstützt wurden.“ Kurz darauf trafen Einsatzkräfte von Polizei, Bundespolizei und Reiterstaffel ein und leisteten Erste Hilfe.
Die unmittelbare Reaktion
Bereits um 23 Uhr sperrte die Polizei das Gebiet weiträumig ab. Der Veranstalter hatte die Veranstaltung beendet und die Besucher in Richtung Brandenburger Tor geschickt. Mehr als 150 Kräfte der Feuerwehr versorgten Verletzte und Schockierte. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) besuchte noch in der Nacht den Tatort. „Wir werden uns unsere Art und Weise des Lebens und Zusammenlebens nicht nehmen lassen“, sagte er. Einsatzkräfte durchkämmten den Tiergarten mit Spürhunden und einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera. Polizeisprecher Florian Nath bestätigte, der Tiergarten sei „menschenleer“. Die Meldeadresse Ballouts, rund einen Kilometer entfernt, wurde durchsucht. Schwer bewaffnete Polizisten sicherten das Wohnhaus. Die Polizei suchte mit „Hochdruck“ nach dem oder den Tätern.
Die Fahndung und öffentliche Trauer
Am Morgen nach der Tat war der Tatort weiter abgesperrt; das weiße Fahrzeug stand noch an dem Baum. Polizisten an Bahnhöfen und auf Straßen zeugten von der Nacht. Trauernde legten entlang der Tatortstrecke Blumen ab. Alexandra aus Berlin, die am CSD teilnahm, legte eine Rose nieder: „Zwanzig Stunden haben wir mit Hunderttausenden gefeiert. Das war wunderschön. Umso trauriger ist es, nun hier zu stehen.“ Sie wünscht sich, dass die Politik die Brisanz erkennt und Konsequenzen zieht. Die Fahndung nach Ballout und möglichen Mittätern läuft bundesweit, auch Europol unterstützt. Dobrindt zufolge werden Flughäfen, Grenzübergänge und Bahnhöfe streng überwacht. Bis Sonntag war Ballout noch flüchtig. Mehrere Personen wurden befragt und in Gewahrsam genommen, der Tatverdacht muss jedoch gerichtsfest sein. Nath spricht von „schwieriger Puzzlearbeit“. Die Polizei veröffentlichte am Morgen ein Foto des Tatverdächtigen.
Der Tatverdächtige und die Opfer
Nach Informationen der Funke Mediengruppe war der 21-jährige Abdul Ballout den Sicherheitsbehörden seit Jahren als islamistischer Gefährder bekannt. Bereits als Jugendlicher fiel er auf und wird dem islamistischen Milieu in Berlin zugeordnet. Im Mai 2026 wurde er zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen die Bewährung Einspruch eingelegt. Am Sonntagnachmittag erklärte Nath, alle Verletzten würden in Krankenhäusern behandelt, niemand sei in einem kritischen, lebensbedrohlichen Zustand – eine der wenigen guten Nachrichten an diesem Tag.
Politische Reaktionen und Ausblick
Berlins Bürgermeister Wegner zeigte sich am Sonntag bestürzt: „Gestern hat Berlin einen tollen Tag gefeiert. Berlin war bunt. Berlin hat gezeigt, wie vielfältig und offen diese Stadt sein kann. Nach 22 Uhr wurde es dunkel. Sehr dunkel.“ Er sprach von einem terroristischen Anschlag auf das Zusammenleben und die Freiheit. „Es war ein Angriff auf die Art unseres Zusammenlebens. Damit muss Schluss sein.“ Die Ermittlungen dauern an, die Polizei hofft auf Durchbruch. Inhaftierte Personen müssen nach 48 Stunden entlassen werden, falls keine konkreten Verdachtsmomente vorliegen. Der CSD-Anschlag hat eine Debatte über Sicherheitslücken und den Umgang mit Gefährdern neu entfacht.



