Deutsche Unternehmen in Russland: Ein notwendiger Dialog
Moskau. Der Ukraine-Krieg dauert an, und die Sanktionen gegen Russland werden immer weiter verschärft. Doch reichen diese Maßnahmen aus, um Frieden zu schaffen? Ein Kommentar von Jo Angerer, freier Korrespondent.
Die EU hat beschlossen, ab November 2027 kein russisches Gas mehr zu importieren. Doch während die Politik auf Konfrontation setzt, suchen deutsche Unternehmen längst wieder den Kontakt zu Russland. Auf dem Petersburger Wirtschaftsforum gab es erstmals wieder einen offiziellen deutsch-russischen Wirtschaftsdialog. Wer genau aus Deutschland daran teilnimmt, ist nicht bekannt, aber viele Unternehmer denken ähnlich wie Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer: „Der Westen sollte Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer anderen überlassen.“
Die Sehnsucht nach deutschen Produkten
Russen lieben deutsche Autos, vor allem Verbrenner. In Moskau gibt es eine Mercedes-Bar in einem Luxushotel. Doch inzwischen dominieren chinesische Fahrzeuge die Straßen. Auch bei Kühlschränken, Waschmaschinen und Konsumgütern wäre der Markt für deutsche Produkte riesig. Die deutsche Wirtschaft braucht Märkte und günstige Energie. Noch sind 1600 deutsche Unternehmen in Russland aktiv, viele sind trotz Sanktionen mit ihrem Geschäft zufrieden. Eine Umfrage unter 265 Firmen zeigt: 65 Prozent befürworten eine sofortige Rückkehr zu russischem Gas.
Sanktionen allein reichen nicht
Natürlich darf man nicht mit Putin „kuscheln“ wie Trump. Aber reden und verhandeln ist notwendig. Die EU versteht sich nicht als Kriegspartei. Wenn das stimmt, dann könnte sie vermitteln. Vielleicht ergibt sich so eine Chance auf Frieden, von dem alle profitieren würden. Immer neue Sanktionen allein helfen jedenfalls nicht weiter.



