Der deutsche Botschafter in der Republik Moldau, Hubert Knirsch, hat mit einem Interview heftige Kontroversen ausgelöst. Ein ehemaliger Präsident des Landes bezeichnete ihn öffentlich als Idioten. Nach Recherchen des Tagesspiegels traf Knirsch zudem einen prorussischen Politiker, der wegen Korruption vor Gericht steht.
Hintergrund des Eklats
Zu den ungeschriebenen Regeln der Diplomatie gehört es, dezent im Hintergrund zu bleiben. Ein Diplomat sollte es vermeiden, selbst zum Gesprächsthema zu werden. Genau das ist Hubert Knirsch passiert. Mit seinen Äußerungen in einem Interview sorgte er für massive Kritik in Moldau.
Der ehemalige Präsident Moldaus, Igor Dodon, der als prorussisch gilt, attackierte Knirsch scharf. In einem Beitrag auf Telegram nannte Dodon den deutschen Botschafter einen Idioten. Dodon steht selbst wegen Korruption vor Gericht und gilt als enger Verbündeter Russlands.
Treffen mit umstrittenem Politiker
Laut Tagesspiegel-Recherchen traf Knirsch zudem den prorussischen Politiker Ilan Șor, der ebenfalls wegen Korruption angeklagt ist. Șor war Vorsitzender der gleichnamigen Partei und ist nach Israel geflohen. Das Treffen fand bereits vor einiger Zeit statt, wurde aber erst jetzt bekannt.
Die Opposition in Moldau wirft Knirsch vor, sich in innere Angelegenheiten einzumischen. Die deutsche Botschaft in Chișinău verteidigte das Treffen: Es sei Teil der normalen diplomatischen Arbeit, mit allen politischen Kräften zu sprechen.
Reaktionen aus Berlin
Das Auswärtige Amt in Berlin äußerte sich zurückhaltend. Man habe volles Vertrauen in die Arbeit von Botschafter Knirsch, hieß es. Die Vorwürfe der Einmischung wies die Behörde zurück. Deutschland unterstütze die proeuropäische Regierung Moldaus, bleibe aber im Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen.
Der Eklat kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt: Moldau hat im Juni 2022 den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten und verhandelt derzeit über den Start der Beitrittsgespräche. Die proeuropäische Präsidentin Maia Sandu steht unter Druck von prorussischen Kräften.
Bedeutung für die deutsche Außenpolitik
Der Vorfall wirft Fragen nach der Rolle deutscher Diplomaten in osteuropäischen Ländern auf. Experten sehen darin ein Beispiel für die schwierige Balance zwischen Neutralität und Parteinahme. Deutschland gilt als wichtiger Partner Moldaus auf dem Weg in die EU und hat in den vergangenen Jahren hohe Finanzhilfen bereitgestellt.
Der deutsche Botschafter Knirsch ist seit 2021 im Amt. Zuvor war er unter anderem in der deutschen Botschaft in Moskau tätig. Seine Erfahrung mit Russland sollte eigentlich ein Vorteil sein, doch nun gerät er selbst in die Kritik.



