Drohbrief an Infantino: Uefa fürchtet Vernichtung von Beweisen
Drohbrief an Infantino: Uefa fürchtet Beweisvernichtung

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) eskaliert den Konflikt mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Einem Medienbericht zufolge droht die Uefa dem 56-jährigen Italo-Schweizer mit rechtlichen Schritten. Hintergrund ist die geplante Privatisierung der Fußball-Weltmeisterschaft, die Infantino zuletzt zurückziehen musste.

Anwaltsschreiben fordert Beweissicherung

Aus einem Anwaltsschreiben der Großkanzlei Dechert, das mehreren Medien vorliegt, geht hervor, dass die Uefa Infantino anweist, „alle Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen“ im Zusammenhang mit der Gründung der „FIFA Forward Enterprise“ (FFE) zu „identifizieren, ausfindig zu machen und zu sichern“. Die Uefa fürchtet offenbar, dass Infantino Beweise vernichten könnte. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert aus dem Schreiben: „Da mit einem Verfahren zu rechnen ist, sind Sie verpflichtet, alle relevanten Unterlagen mit sofortiger Wirkung aufzubewahren.“

Die FFE sollte die WM-Privatisierung abwickeln. Als Hauptinvestoren galten Joshua Kushner, Bruder von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, sowie die US-Bank JP Morgan. Nun sollen sämtliche internen und externen Kommunikationen der Fifa zur FFE-Gründung gesichert werden. Auf sechs Seiten erläutern die Anwälte die Aufbewahrungspflichten, denen Infantino und seine Kollegen unterliegen. Zudem sollen die Machenschaften des Fifa-Präsidenten konkret nachvollzogen werden. Medienberichten zufolge plante Infantino, spätestens 2031 an die Spitze der FFE zu wechseln.

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Adressaten des Drohschreibens

Laut „Süddeutscher Zeitung“ ging das Schreiben auch an JP Morgan, Kushners Investorengruppe „Thrive Eternity“ sowie die Beratungsagenturen „Bann Ventures“ und „Open Economics“. Darüber hinaus werden 17 Mitarbeiter namentlich genannt, die die Uefa als mögliche Mitwisser oder Dokumentationsbesitzer einschätzt. Dazu zählt auch Trainer-Legende Arsène Wenger, der seit 2019 Fifa-Direktor für globale Fußballförderung ist.

Der Brief kündigt zwar noch keine Klage an, eröffnet aber den Rechtsstreit. Auffällig ist das Datum: Das Schreiben ist auf den 31. Juli datiert. In der Nacht zu Samstag, dem 1. August, machte Infantino einen Rückzieher bei seinen WM-Plänen. Innerhalb einer Woche hat der Fifa-Boss sein Powermonopol im größten Fußballverband der Welt verloren. Sein Vorschlag zur Privatisierung der Weltmeisterschaft fand keinerlei Zuspruch und wird für ihn zum machtpolitischen Eigentor.

Hintergrund des Machtverlusts

Infantino hatte vorgeschlagen, die WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen, um die Einnahmen der Fifa zu steigern. Dieser Plan stieß jedoch auf breiten Widerstand, nicht nur bei der Uefa, sondern auch bei anderen Fußballverbänden und Mitgliedsverbänden. Die Uefa sieht durch die Privatisierung die Integrität des Weltfußballs gefährdet und befürchtet eine Kommerzialisierung, die den Sport schädigen könnte. Infantinos Rückzieher kam daher nicht überraschend, doch die Uefa will offenbar sicherstellen, dass alle Spuren des gescheiterten Projekts dokumentiert bleiben.

Die Anwälte der Uefa betonen in dem Schreiben, dass die Beweissicherung notwendig sei, um mögliche rechtliche Schritte vorzubereiten. Sollte Infantino gegen die Aufbewahrungspflicht verstoßen, drohen ihm rechtliche Konsequenzen. Die Uefa hat bereits angekündigt, alle Optionen zu prüfen, um ihre Interessen zu wahren. Der Konflikt zwischen der Uefa und der Fifa dürfte sich damit weiter verschärfen.

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