Die Regisseurinnen der ersten „Rienzi“-Inszenierung in der Geschichte der Bayreuther Festspiele betrachten die Oper als ein „Mahnmal“ gegen den Verfall der Demokratie. „Gerade jetzt, da rechtspopulistische und faschistische Tendenzen wieder stärker wahrnehmbar werden, hat dieses Stück eine unheimliche Aktualität gewonnen“, erklärte Alexandra Szemerédy, die das Werk gemeinsam mit Magdolna Parditka auf die Bühne bringt, im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die beiden sind die ersten Frauen ohne Wagner-Nachnamen, die auf dem Grünen Hügel inszenieren.
Die Frage nach dem Kipppunkt der Demokratie
„Es ist gewissermaßen ein Mahnmal. Die entscheidende Frage ist: Wo kippt eine Demokratie? Ab wann gleitet sie fast unmerklich in andere Mechanismen ab?“, so Szemerédy weiter. Die Oper „Rienzi“ von Richard Wagner, sein drittes Werk und einst sein größter Erfolg, erzählt vom Aufstieg und Fall des römischen Volkstribuns Cola di Rienzo, der die Macht der herrschenden Klasse brechen will und schließlich an seinem eigenen Größenwahn scheitert.
Historische Belastung und Jubiläumsinszenierung
Die Oper soll den jungen Adolf Hitler inspiriert haben, als er sie als Teenager in Linz sah. „In jener Stunde begann es...“, soll er damals gesagt haben. Die „Rienzi“-Ouvertüre eröffnete stets die Reichsparteitage der NSDAP. Zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele, wo Wagner-Fan Hitler einst verkehrte, wird „Rienzi“ nun erstmals auf dem Grünen Hügel aufgeführt. Dafür war ein Beschluss im Stiftungsrat nötig, da Wagner selbst seine 1842 uraufgeführte frühe Oper, die er als „Ungethüm“ und „Schreihals“ bezeichnete, nicht im Festspiel-Repertoire sehen wollte.
Ein Zeichen der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
„Ich denke, wenn man 'Rienzi' ins Programm nimmt – insbesondere zum 150. Jubiläum und noch dazu zum ersten Mal überhaupt –, dann setzt man ein Zeichen“, betont Szemerédy. „Das bedeutet, dass man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Es ist sehr wichtig, dass man diese Stücke nicht vergisst oder verdrängt. 'Rienzi' ist Wagners politischstes Werk und genau das Werk, das Hitler so stark inspiriert hat.“



