Brüssel – Die Europäische Union macht Russland für jahrelange Cyberangriffe auf Europa verantwortlich und verhängt Sanktionen gegen neun Personen und vier Organisationen. Grund sind „bösartige Cyberaktivitäten“, die vor allem dem 16. Zentrum des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zugeschrieben werden. Diese Behörde soll laut EU mehrere Hackergruppen kontrollieren, darunter die berüchtigte Gruppe TURLA, die auch als „Snake“ oder „Uroburos“ bekannt ist.
Hackergruppe TURLA im Visier
Die Hackergruppe TURLA gilt als eine der gefährlichsten staatlichen Cyber-Einheiten der Welt. Nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz und des estnischen Geheimdienstes steckt hinter der Gruppe der FSB. In Deutschland schlug TURLA gleich mehrfach zu: 2017 drangen die Hacker in das Datennetz der Bundesverwaltung (IVBB) ein und spähten vor allem das Auswärtige Amt aus. Bereits 2015 sollen sie das deutsche Regierungsnetz kompromittiert haben.
Einbestellung der Botschafter
Das Auswärtige Amt bestellte am Montag den russischen Botschafter in Berlin ein, um gegen die Cyberangriffe zu protestieren. „Cyberangriffe gegen Deutschland, EU-Partner und die Ukraine sind inakzeptabel“, teilte das Ministerium auf der Plattform X mit. „Wir beantworten sie entschlossen, auch mit zusätzlichen Sanktionen.“ Auch Frankreich bestellte aus Protest den russischen Botschafter ein. Betroffen von den Cyberangriffen waren neben Deutschland auch Frankreich, Polen, Zypern, die Niederlande, Österreich, die Slowakei, Rumänien und Finnland.
Angriffe auf kritische Infrastruktur
In Frankreich soll das 16. FSB-Zentrum seit 2010 Spionage gegen Regierungsstellen betrieben haben – 2025 auch gegen die Rüstungsindustrie. Die EU und Großbritannien machen den FSB zudem für einen versuchten Cyberangriff auf das polnische Stromnetz verantwortlich. Dieser Angriff „hätte dazu führen können, dass 500.000 Bürgerinnen und Bürger mitten im Winter keinen Strom haben“, erklärte das britische Außenministerium. Russland versuche, „in ganz Europa Chaos zu stiften“.
Details der Sanktionen
Die EU-Sanktionen richten sich gegen Geheimdienstoffiziere des russischen Militärgeheimdienstes GRU sowie gegen Cyberkriminelle, selbsternannte Hacktivisten und private Unternehmen, die zu Russlands Bemühungen beitragen, die EU, ihre Mitgliedstaaten und internationale Partner zu destabilisieren. Die Maßnahmen umfassen Einreiseverbote und das Einfrieren von Vermögenswerten.



