Ilkay Gündogan: WM-Überraschung durch Deutschland möglich
Gündogan: Deutschland kann für Überraschung sorgen

Ilkay Gündogan, ehemaliger Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, zeigt sich optimistisch für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Im Interview mit BILD spricht der 35-Jährige über die Chancen des DFB-Teams, die Verletzung von Lennart Karl und die Rolle von Manuel Neuer und Leroy Sané.

Verletzung von Lennart Karl: Ein schwerer Schlag

Auf die Frage nach der Verletzung von Lennart Karl, der sich am Freitag eine schwere Blessur zuzog, antwortet Gündogan: „Das ist extrem bitter für ihn. Er hatte allerbeste Chancen, sogar in der Startelf zu stehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Genau in solchen Situationen kommt es darauf an, gestärkt zurückzukommen. Er ist noch jung und wird bei seinem Talent noch viele Turniere für Deutschland bestreiten. Der Mannschaft fehlt nun eine starke Option auf Rechtsaußen, aber ich sehe im Kader dahinter genug Qualität.“

Optimismus für die WM: Deutschland als Überraschungsteam?

Gündogan zeigt sich zuversichtlich: „Viele trauen dem Team nicht viel zu, aber ich sehe es gar nicht negativ. Die deutsche Mannschaft kann für eine sehr große Überraschung sorgen. Der Trend der letzten Spiele macht mir Mut. Ich glaube an die Mannschaft und sehe viel Potenzial. Wir können sehr viele Gegner schlagen.“

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Was macht ihn optimistisch?

„Die Mischung aus Erfahrung und jungen, dynamischen Spielern. Die Unberechenbarkeit der jungen Spieler hat mir zuletzt gut gefallen. Mit Havertz, Undav, Woltemade haben wir vorne gute, unterschiedliche Spielertypen. Der Bundestrainer hat offensiv viele Optionen, und in der Verteidigung ebenso. Das Team ist gut besetzt – eine gefährliche Mischung für jeden Gegner.“

Kann Deutschland Weltmeister werden?

„Es ist gut, dass die Erwartungshaltung nicht allzu groß ist – das ist ein Vorteil. Wir haben trotzdem Weltklasse-Spieler, die Halbfinale und Finale in der Champions League gespielt haben. Wir sind momentan in der zweiten, dritten Garde und können befreit aufspielen. Viele sagen: Mit den Deutschen muss man immer rechnen. Sie gehören zu den Mannschaften, die den Weg ins Finale schaffen können.“

Manuel Neuer: Überraschendes Comeback

Gündogan überraschte die Rückkehr von Manuel Neuer: „Ehrlicherweise hat mich das schon überrascht. Man muss schauen, wie fit er ist. Das Gute ist, dass mit Oli Baumann ein super Mann dahinter steht. Ich kenne Oli gut – ein überragender Typ, der seine Rolle im Team wahrnimmt. Wenn Oli seine Chance kriegt, wird er sie nutzen. Und wenn Manu fit ist, haben wir einen der weltbesten Torhüter im Tor.“

Macht Neuer einen Unterschied für die Stürmer?

„Ja, absolut. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Wenn Manu auf dem Platz steht, ist das eine enorme Präsenz – für Mitspieler und Gegner. Nicht nur wegen seines Namens, sondern wegen seiner Leistungen. Das Spiel in Madrid war ein Beispiel: Er hat es immer noch drauf. Er ist ein großer Mehrwert für jede Mannschaft.“

Leroy Sané: Selbstvertrauen durch Tor gegen USA

Gündogan kennt Sané gut, beide spielen bei Galatasaray: „Sein Jahr war turbulent mit Höhen und Tiefen. Er hat sich aber immer aus schwierigen Momenten rausgekämpft und die Saison gut beendet. Das Tor gegen die USA wird ihm weiter Selbstvertrauen geben – das war wichtig.“

Kritik an Sané: Zu hart?

„Das einzige Problem ist, dass er seine Verärgerung manchmal zu offensichtlich zeigt. Aber das ist auch gut, weil es zeigt, dass ihm Dinge nicht egal sind. Viele denken, er kümmert sich nicht – das stimmt nicht. Er ärgert sich extrem über sich selbst. Ich weiß, wie wichtig ihm die WM war. Er hat viel Kritik bekommen, aber sich nicht hängen lassen.“

Kann Sané nach Karls Verletzung wichtig werden?

„Ja, er gibt der Mannschaft Qualitäten, die kein anderer hat. Ob von Anfang an oder nur für ein paar Minuten – der Bundestrainer entscheidet. Ich drücke ihm die Daumen, dass er seine Leistungen bestätigt.“

Julian Nagelsmann: Vertrauen in den Bundestrainer

„Es ist schwer, in den Schuhen des Bundestrainers zu stecken. Jede Entscheidung wird debattiert und kritisiert. Julian hat seinen Weg 2024 schon durchgezogen. Auch wenn das Ausscheiden früh kam, gab es eine positive Grundstimmung. Diesen Weg führt er jetzt weiter. Ich gebe ihm das nötige Vertrauen und erhoffe mir viel von der Mannschaft.“

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Favoriten: Spanien, Frankreich, England

„Absoluter Favorit ist Spanien – wegen ihrer Leistungen und Spielweise. Frankreich vom Talent und Kader her. Bei England bin ich gespannt, auch wegen Thomas Tuchel. Er hat viel Kritik bekommen, aber ich habe großen Respekt vor ihm. Ich hoffe, dass es gut geht.“

Quartier in North Carolina: Kein Problem?

„Manche Spieler mögen es, mal rauszugehen. Ich mag es auch, zumindest die Möglichkeit zu haben. Am Ende hängt es davon ab, was du als Team daraus machst. Fakt ist: Du kannst nicht jeden glücklich machen. Österreich und die Schweiz in Kalifornien am Meer? Die haben wahrscheinlich mehr Glück mit dem Spielplan – ich kenne nicht viele, die Meer und Strand nicht mögen.“

Lagerkoller: 2018 in Russland

Auf die Frage nach Lagerkoller-Gefahr bei Turnieren antwortet Gündogan: „Am ehesten 2018 in Russland.“