Rio de Janeiro. Die stark gestiegenen Kerosinpreise infolge des Iran-Kriegs könnten nach Einschätzung des Weltluftfahrtverbands IATA weitere Airlines in die Insolvenz treiben. IATA-Chef Willie Walsh äußerte sich am Rande der Jahrestagung in Rio de Janeiro besorgt: „Ich fürchte leider, dass einige Fluggesellschaften mit diesen hohen Treibstoffpreisen nur sehr schwer zurechtkommen werden.“ Er erwarte, dass einige Unternehmen aufgeben müssten und andere von größeren Konkurrenten übernommen würden.
Belastungen für die gesamte Branche
Die Airlines weltweit kämpfen mit höheren Treibstoffkosten. Der Iran-Krieg hat das Angebot an Kerosin verknappt und wichtige Flugkorridore unterbrochen, was zu teuren Umwegen führt. Besonders betroffen sind Billigflieger, da ihnen margenstärkere Einnahmequellen wie Premiumklassen oder Vielfliegerprogramme fehlen. Walsh sagte, er erwarte, dass Airlines ihre Margen durch die Streichung unrentabler Strecken sichern würden. Die Flugpreise, die seit Ausbruch des Iran-Kriegs stark angestiegen sind, würden indes wohl nicht so bald wieder sinken.
Billigflieger-Modell nicht gescheitert
Das Geschäftsmodell der Billig-Airlines sei jedoch nicht gescheitert, betonte Walsh. Außerhalb der USA, wo die drei großen Anbieter United Airlines, Delta Air Lines und American Airlines ihre günstigeren Konkurrenten verdrängen, floriere das Modell weiterhin. Als Beispiel nannte er die starke Entwicklung von Ryanair in Europa.
Mit einer möglichen Mega-Fusion in den USA rechnet Walsh nicht. Der Vorschlag von United-Chef Scott Kirby, den Rivalen American Airlines zu übernehmen, werde an erheblichen regulatorischen Hürden scheitern, so der IATA-Chef. Daran ändere auch nichts, dass Kirby die Idee bei US-Präsident Donald Trump vorgebracht habe.
Auswirkungen auf Golf-Airlines
Der Konflikt mit dem Iran hat zudem die Verkehrsströme über Drehkreuze im Nahen Osten wie Dubai, Doha und Abu Dhabi empfindlich gestört. Dies stellt Golf-Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad vor große Herausforderungen. Walsh zufolge wird der Konflikt der Region als Luftfahrt-Drehkreuz jedoch keinen dauerhaften Schaden zufügen. Die Kapazität der Golf-Airlines, die 14 Prozent des weltweiten Angebots ausmachen, könne nicht durch Airlines aus anderen Regionen ersetzt werden.
Walsh kritisiert Flugzeug- und Triebwerkshersteller
Enttäuscht äußerte sich Walsh über das schleppende Tempo bei den Flugzeugauslieferungen von Boeing und Airbus sowie Verzögerungen bei der Bereitstellung von Triebwerken durch GE Aerospace und Pratt & Whitney. Das schränke die Möglichkeiten der Airlines ein, ihre Flotten zu erweitern und die Effizienz zu verbessern. Man sei frustriert vor allem über die Triebwerkshersteller, da diese hohe Gewinne machten, während die Fluggesellschaften zu kämpfen hätten. Probleme in den Lieferketten hätten die Airlines 2025 etwa elf Milliarden Dollar gekostet. „Wir sind enttäuscht, dass sie die Lasten der Luftfahrtbranche nicht mittragen“, sagte Walsh. Flugzeug- und Triebwerkshersteller hatten indes erklärt, vieles davon liege nicht in ihrer Hand. Sie verweisen auf Lieferengpässe nach der Pandemie sowie auf politische Handelsstreitigkeiten.
Klimaziel 2050 gefährdet
Walsh sagte zudem, die IATA wolle das Ziel nicht aufgeben, dass die Airlines ab dem Jahr 2050 klimaneutral wirtschaften. Das Vorhaben werde allerdings dadurch erschwert, dass es bei der Entwicklung nachhaltiger Kraftstoffe nicht die erwarteten Fortschritte gebe. Branchenvertreter hatten sich zuletzt zurückhaltend mit Blick auf das Klimaziel geäußert und dabei auch auf zunehmende finanzielle Belastungen der Fluggesellschaften und eine mögliche Abschwächung der Klimapolitik in den USA unter Präsident Donald Trump verwiesen.



