Das Internationale Olympische Komitee (IOC) treibt die Wiedereingliederung Russlands in den Weltsport systematisch voran. Unter der neuen Präsidentin Kirsty Coventry wird der Kurs ihres Vorgängers Thomas Bach fortgesetzt, wie aus IOC-Kreisen verlautet. Die Strategie folgt einem klaren Muster: Schrittweise Lockerung der Sanktionen, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verhängt wurden.
Schrittweise Rückkehr – ein bewährtes Muster
Bereits im März 2023 empfahl das IOC die Rückkehr russischer und belarussischer Athleten unter neutraler Flagge. Seitdem wurden die Auflagen kontinuierlich gelockert. Coventry, die im März 2025 zur IOC-Präsidentin gewählt wurde, setzt diesen Prozess fort. „Wir müssen den Sport von der Politik trennen“, sagte sie in einer internen Sitzung. Kritiker werfen dem IOC vor, damit die Aggression Russlands zu legitimieren.
Hintergründe der Strategie
Laut einem vertraulichen IOC-Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt, soll Russland bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles vollständig reintegriert sein. Der Plan sieht vor, dass russische Athleten zunächst bei Qualifikationswettkämpfen starten dürfen, später auch bei Weltmeisterschaften. Wirtschaftliche Interessen spielen eine Rolle: Russland ist ein wichtiger Sponsorenmarkt und Gastgeber internationaler Events.
Reaktionen aus Politik und Sport
Die Ukraine und mehrere westliche Länder protestieren gegen die Entwicklung. „Das IOC stellt sich auf die Seite des Angreifers“, kritisierte der ukrainische Sportminister. Auch deutsche Sportfunktionäre zeigen sich besorgt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) forderte eine klare Haltung des IOC. Coventry hingegen betont die olympischen Werte: „Wir müssen Brücken bauen, nicht Mauern.“
Auswirkungen auf die Sportwelt
Die Rückkehr Russlands verändert die Kräfteverhältnisse in vielen Sportarten. Besonders betroffen sind Leichtathletik, Turnen und Eiskunstlauf, wo russische Athleten traditionell stark sind. Internationale Verbände bereiten sich auf eine Neuverteilung der Quotenplätze vor. Experten rechnen mit einem verstärkten Boykott von Wettkämpfen durch ukrainische und baltische Athleten.
Die IOC-Präsidentin verteidigt ihren Kurs: „Wir dürfen die Athleten nicht für die Politik ihrer Regierungen bestrafen.“ Kritiker halten dagegen, dass das IOC damit die Isolation Russlands untergrabe. Der Streit um die Wiedereingliederung wird die Sportpolitik der nächsten Jahre prägen.



