Die Zahl der Islamisten in Berlin ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen: 2025 wurden 2.590 Personen dem islamistischen Spektrum zugeordnet – fast 20 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht hervor. Seyran Ateş, liberale Muslima und Rechtsanwältin, sieht darin eine Bestätigung ihrer Beobachtungen: „Dieser Extremismus existiert in ganz Deutschland.“ Sie erlebe ihn sowohl in Neukölln als auch an einer Waldorfschule in Süddeutschland.
Erscheinungsformen des Islamismus im Alltag
Ateş berichtet, dass man nur die Sonnenallee entlanggehen müsse: „Viele Geschäfte sind mit Palästinensertüchern und Palästinaflaggen behängt.“ Dies könne ein erster Hinweis auf Islamismus und Antisemitismus sein. Auch gebe es Schilder auf Arabisch, die Juden den Zutritt verwehrten. „Je mehr arabische Schrift man an den Schaufenstern sieht, desto stärker sind meist die nationalistischen und religiösen Überzeugungen“, so Ateş.
Religiöses Mobbing in Schulen
An Schulen komme es zu religiösem Mobbing. „Mädchen sagen anderen Mädchen, wie sie sich zu kleiden haben. Sie werden beschimpft als Prostituierte, weil sie sich wie eine westliche Frau kleiden.“ Ateş kennt Fälle, in denen Kinder wegen des Drucks die Schule wechselten. „Kinder werden zu religiösen Vollstreckern, indem sie andere zum Fasten zwingen.“ Sie beobachtet eine Zunahme solcher Fälle seit der Flüchtlingskrise 2015.
Berlin als Zentrum des Islamismus
Terrorismusexperte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sagt, Berlin biete „günstige Bedingungen“, um als Zentrum des Islamismus in Deutschland zu gelten. Zum Vergleich: 2025 zählte der Verfassungsschutz in Berlin 1.480 Personen der rechtsextremen Szene (ohne Mehrfachmitgliedschaften).
Forderungen an die Politik
Für Ateş ist klar: „Islamismus macht einer enormen Zahl von Menschen jeden Tag das Leben schwer. Und wenn wir den Kampf gegen den Extremismus aufgeben, entwickelt sich unsere Gesellschaft in eine extremistische Richtung.“ Sie fordert „radikale Reformen in der Bildung und eine Migrationspolitik, die Ghettoisierung aufbricht.“ Zudem müsse die Stadtplanung für „echte soziale Durchmischung“ sorgen. Gleichzeitig betont sie: „Rassismus und Diskriminierung sind reale Probleme. Wenn wir unsere Einwanderungsgesellschaft nicht so gestalten, dass Menschen wirklich Teil dieses Landes werden, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Extremisten die Kontrolle übernehmen.“
Kein hoffnungsloser Fall
Deutschland sei kein hoffnungsloser Fall: „Dieses Land ist noch auf dem richtigen Weg, solange ich diese Dinge sagen kann, ohne im Gefängnis zu landen, wie es in der Türkei passieren könnte.“



