Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) sorgt mit einem Werbeplakat für ihr 70-jähriges Bestehen für Aufsehen. Das Plakat zeigt eine langhaarige Person mit Bart im Dirndl – ein Motiv, das im Widerspruch zu den queerfeindlichen Positionen der Partei steht. Die Neos-Abgeordnete Henrike Brandstötter thematisierte diesen Widerspruch am Donnerstag im österreichischen Nationalrat.
Spott im Parlament
„Wie kann das passieren?“, fragte Brandstötter am Rednerpult und teilte ein Video ihres Auftritts in den sozialen Medien. In einer nächsten Einstellung sind FPÖ-Abgeordnete zu sehen, die das Plakat mit fragenden Gesichtern betrachten. „Warm, wärmer, Happy Pride!“, ergänzte die Neos-Abgeordnete unter Applaus und Gelächter ihrer Parteikollegen und einiger Grünen-Abgeordneter.
„Im Nationalrat trommelt die FPÖ ihren Kulturkampf gegen die LGBTIQ-Community, gleichzeitig veröffentlicht sie ein KI-Sujet, auf dem eine Person im Dirndl mit Bart zu sehen ist – also genau das, was offenbar nicht in ihr eigenes Weltbild passt“, erklärte Brandstötter dem Tagesspiegel.
FPÖ feiert mit Schlagerstar Roberto Blanco
Die rechte Partei, die 1956 von ehemaligen Nationalsozialisten gegründet wurde, feiert am 20. Juni 2026 ihr 70-jähriges Bestehen auf dem zentralen Stephansplatz in Wien. Angekündigt ist auch Schlagerstar Roberto Blanco. Vor seinem Auftritt wird Parteichef Herbert Kickl eine Rede halten. Kickl und seine Partei sind für queerfeindliche Positionen bekannt.
„Bei einem freiheitlichen Volkskanzler gibt es keine Regenbogenfahnen mehr auf einem Regierungsgebäude. Da häng’ ich ja vorher noch die Piratenfahne auf!“, sagte Kickl etwa bei einer Parteiveranstaltung im Herbst 2023. Im Endspurt vor der Nationalratswahl im Herbst 2024 forderte der FPÖ-Chef einen „Befreiungsschlag gegen den Genderwahnsinn“.
Weitere Ungereimtheiten auf dem Plakat
Die Vermutung liegt nahe, dass die FPÖ das Plakat mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und ungeprüft veröffentlicht hat. Das österreichische Satire-Portal „Die Tagespresse“ analysierte das Plakat und monierte mehrere fehlerhafte Bildausschnitte. Neben der bärtigen Person im Dirndl entdeckte es mindestens eine Person mit zwei Gesichtern und eine weitere mit „deformierten Händen“. Auch die Dachstruktur des Stephansdoms soll fehlerhaft dargestellt sein.
„Die KI-Panne zeigt, dass die FPÖ KI offenbar nicht nur als technisches Werkzeug versteht, sondern als Möglichkeit, sich eine Welt nach den eigenen Vorstellungen zusammenzubasteln“, sagte Brandstötter. „Wenn die Realität nicht ins eigene Bild passt, wird eben ein künstliches Sujet erzeugt – nur halt oft so schlecht, dass die Fehler sofort auffallen.“
Die FPÖ stellt derzeit die größte Fraktion im österreichischen Nationalrat. Die Regierung besteht aus der konservativen ÖVP, der SPÖ und den Neos. Ob die Partei das umstrittene Plakat nach der öffentlichen Kritik austauschen wird, ist bislang nicht bekannt.



