Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, hat den südostasiatischen Staatenbund Asean wegen dessen Forderung nach einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel scharf attackiert. In einer am Montag von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung äußerte sie ihre „große Unzufriedenheit mit der unverhohlen feindseligen Haltung des Forums“.
„Bezahltes Sprachrohr der USA“
Kim Yo Jong warf der Asean vor, sich von den USA instrumentalisieren zu lassen. „Die Asean muss sich davor hüten, als bezahltes Sprachrohr der USA missbraucht zu werden“, zitierte KCNA die Politikerin. Sie kritisierte, dass die Asean in das von Washington verbreitete Gerede über eine „Denuklearisierung“ einstimme und dabei die nordkoreanische Verfassung ignoriere.
Der Staatenbund hatte bei einem Regionalforum in der vergangenen Woche „große Besorgnis“ über Nordkoreas Atomwaffenprogramm geäußert und zu einem Dialog über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel aufgerufen. Kim Yo Jong bezeichnete dies als „einen dummen und törichten Wunschtraum“ und fügte hinzu: „Es zeugt von einem Versagen strategischen Denkens und der Logik, weiterhin an der ‚Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel‘ festzuhalten, die begrifflich und praktisch längst ihre Bedeutung verloren hat.“
Nordkoreas unumstößlicher Status als Atommacht
Kim Yo Jong, die zu den engsten Vertrauten ihres Bruders zählt und als ein wichtiges Gesicht der nordkoreanischen Außenpolitik gilt, bekräftigte die Position Pjöngjangs im Juni mit den Worten: „Der Status Nordkoreas als Atommacht ist absolut nicht verhandelbar.“ Bereits im vergangenen Jahr verankerte Nordkorea seinen Status als Atommacht in der Verfassung – ein Schritt, der die internationale Gemeinschaft weiter beunruhigt.
Trotz zahlreicher Sanktionen des UN-Sicherheitsrats treibt Nordkorea sein Atomwaffen- und Raketenprogramm unvermindert voran. Das Land hat in den vergangenen Jahren mehrere Raketentests durchgeführt und seine militärischen Fähigkeiten weiter ausgebaut. Die Asean, der unter anderem Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, die Philippinen, Singapur, Thailand, Osttimor und Vietnam angehören, hat wiederholt zur Deeskalation aufgerufen.
Fragen der regionalen Sicherheit
Die scharfe Reaktion aus Nordkorea zeigt die tiefe Kluft zwischen den Positionen: Während die Asean und viele internationale Akteure auf eine Denuklearisierung drängen, beharrt Pjöngjang auf seinem Nuklearstatus. Experten sehen darin eine wachsende Herausforderung für die regionale Sicherheit. Kim Yo Jongs Äußerungen verdeutlichen, dass Nordkorea nicht bereit ist, von seinem Kurs abzuweichen.
Die Asean hat angekündigt, weiterhin auf Dialog zu setzen, doch die Aussichten auf eine Annäherung bleiben angesichts der kompromisslosen Haltung Nordkoreas gering. Ohne direkte Gespräche oder Vermittlung durch Dritte scheint eine Lösung des Konflikts in weiter Ferne.



