Die Erinnerung an die Kolonialgeschichte ist in Deutschland weit weniger präsent als in Frankreich oder Großbritannien. Dabei besaß das Deutsche Reich zwischenzeitlich das drittgrößte Übersee-Reich der Welt. Schätzungen zufolge kamen mehrere hunderttausend Menschen durch die deutsche Kolonialherrschaft ums Leben. Der Umgang mit diesem Erbe ist bis heute umstritten.
Wolfram Weimers Versprechen
Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat beim Thema Kolonialismus-Aufarbeitung bisher viel angekündigt, aber wenig geliefert. Zentrales Versprechen: ein „würdiger Gedenkort“. Dafür gibt es mehrere Kandidaten.
Berlin als Standort
Die Hauptstadt gilt als Favorit. Bereits 2021 forderte der Bundestag die Errichtung eines nationalen Denkmals für die kolonialen Verbrechen. Berlin verfügt über das Humboldt Forum, das bereits koloniale Objekte ausstellt. Kritiker bemängeln jedoch, dass ein Gedenkort in Berlin zu zentralistisch sei.
Hamburgs Bewerbung
Hamburg sieht sich als „Tor zur Welt“ und hat eine enge Verbindung zur Kolonialgeschichte. Der Senat unterstützt die Idee eines Gedenkortes in der Hansestadt. Der ehemalige Hafen und die Speicherstadt bieten sich als historisch bedeutsame Orte an.
Bremens Engagement
Bremen bewirbt sich ebenfalls. Die Stadt war ein wichtiger Umschlagplatz für Kolonialwaren und profitierte wirtschaftlich von der Kolonialherrschaft. Initiativen fordern, den Gedenkort mit der Aufarbeitung der Bremer Kolonialgeschichte zu verbinden.
Offene Fragen
Noch ist unklar, wann und wo der Gedenkort entstehen soll. Die Bundesregierung hat einen Dialogprozess angekündigt, der Vertreter der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik einbeziehen soll. Bis dahin bleiben die Kandidaten im Rennen.



