In der französischen Hauptstadt Paris gibt es einen Mann, der mit Käse weit mehr erreicht als nur den Gaumen zu erfreuen. Michaël Belissa betreibt im Vorort Clichy einen kleinen Laden, in dem er handgeschöpften Camembert, würzigen Bergkäse aus der Schweiz und edlen Pecorino anbietet. Doch sein Geschäft ist kein gewöhnlicher Käseladen. „Ich verkaufe keinen Käse, ich verkaufe Geselligkeit“, sagt Belissa. Und das ist wörtlich zu nehmen.
Ein Diplomat mit Käselaib
Belissa versteht sich als Vermittler, der mit seinem kulinarischen Erbe Brücken baut. Gemeinsam mit der französischen Unesco-Botschafterin Ahlem Gharbi hat er ein Käsefestival ins Leben gerufen, das weit über die Grenzen Frankreichs hinausstrahlt. Warum ausgerechnet Käse? „Er verkörpert einerseits oft eine Region oder ein Land, andererseits schließt es niemanden aus“, erklärt die Spitzendiplomatin. Im Gegensatz zu Alkohol oder Schweinefleisch sei Käse ein universelles Nahrungsmittel, das Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion zusammenbringen könne.
Erfolgreiche Vermittlung zwischen Frankreich und Algerien
Das Käsefestival hat über mehrere Jahre hinweg maßgeblich zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Frankreich und Algerien beigetragen. Es gab Verkostungen, Kochkurse, Workshops zur Herstellung und Wettbewerbe, bei denen die besten Käser beider Länder gegeneinander antraten. „Am Anfang haben wir Misstrauen gespürt“, erzählt Belissa. „Dann haben die Leute gemerkt, dass wir da sind, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen.“ Die französische Gourmetkultur, die oft als elitär und exklusiv gilt, wurde hier zu einem Werkzeug der Völkerverständigung. Hunderte Menschen kamen zusammen und erlebten, wie Käse Vorurteile überwinden kann.
Käse als Friedensstifter in Krisenzeiten
Belissas Mission beschränkt sich nicht auf den französisch-algerischen Dialog. Auch in anderen Konflikten setzt er auf die verbindende Kraft des Käses. „In Italien habe ich auf einer Messe zwei Kollegen aus Israel zusammengebracht. Das war während des Gazakriegs. Ich war vorher sehr nervös“, berichtet Belissa. „Aber dann verlief alles harmonisch. Sie hatten nur ein Thema: Käse.“ Solche Begegnungen zeigen, dass kulinarische Diplomatie in Zeiten politischer Spannungen wirksamer sein kann als so mancher offizieller Friedensprozess.
Weitere gute Nachrichten der Woche
Neben der Käse-Diplomatie gab es in dieser Woche weitere erfreuliche Entwicklungen:
- Überlebensgeschichte am Everest: Ein nepalesischer Sherpa überlebte sechs Tage in der Todeszone des Mount Everest, nachdem er beim Abstieg zurückgelassen worden war. Medien bezeichnen dies als die „größte Überlebensgeschichte, die es am Everest je gab“.
- Deutschland wird offline: Nach Jahren stetigen Wachstums sinkt die Internetnutzung in Deutschland erstmals spürbar. Eine schöne Nachricht zum Sommer: Die Menschen ziehen den Stecker – zumindest manchmal.
- Europas Innovationskraft: Trotz wirtschaftlicher Abhängigkeit zeigen Länder wie Spanien, Schweden und vor allem Polen, wie sich in der Krise Zukunft gewinnen lässt. Polen beweist die größte Innovationskraft in Europa.
- Milliardeneinsparungen möglich: Das Kabinett von Friedrich Merz sucht den großen Wurf der Reformen. Zwei Experten zeigen, wie mit einem mutigen Gesamtpaket enorme Summen freigesetzt werden könnten.
25 Jahre „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!“
Vor 25 Jahren prägte Klaus Wowereit einen Satz, der in die deutsche Geschichte einging. Sein Ausspruch „Ich bin schwul – und das ist auch gut so!“ trug ein Vertrauen in sich, das Deutschland heute abhandengekommen ist. Ein Rückblick auf ein mutiges Bekenntnis und seine Bedeutung für die Gegenwart.
Deutschland produziert weniger Müll
Das Abfallaufkommen in Deutschland ist 2024 auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. Für die Umwelt ist das erfreulich, auch wenn die Zahlen auf eine anhaltende Wirtschaftsschwäche hinweisen.
Tipps für den Sommer
Für die sommerliche Grillsaison haben unsere Kolleginnen und Kollegen vegane Ersatzsteaks, Burgerpattys und Bratwürste getestet. Die besten Produkte für den Grill finden Sie in unserem Test. Wer lieber Fisch grillt, erfährt bei Gastronom Johannes Riffelmacher, wie es perfekt gelingt – von der Auswahl im Laden bis zum Servieren. Und für alle, die langfristig Vermögen aufbauen möchten, gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den ersten ETF-Kauf.
Neurodiversität im Beruf
Immer mehr Menschen sprechen offen über ADHS oder Hypersensibilität. Doch was in der Theorie akzeptiert ist, kann im Berufsalltag zu Schwierigkeiten führen. Eine Expertin verrät, wie Sie Ihre Bedürfnisse besser zeigen können, ohne Nachteile zu befürchten.
Ein Bild aus Aleppo
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Ihr Jan Petter, Redakteur im Nachrichtenressort des SPIEGEL



