Landratswahl in Saalfeld-Rudolstadt: SPD-Hochburg vor Richtungsentscheidung
Landratswahl in SPD-Hochburg: Ausgang offen

Landratswahl in Saalfeld-Rudolstadt: Wer wird neuer Landrat?

Im Kreis Saalfeld-Rudolstadt findet an diesem Sonntag eine richtungsweisende Landratswahl statt. Seit der Gründung des Kreises im Jahr 1994 stand fast durchgehend ein SPD-Mitglied an der Spitze des Landratsamtes. Nun muss sich Amtsinhaber Marko Wolfram, der für eine dritte Amtszeit kandidiert, zwei Herausforderern stellen. Die Wahl gilt als offen, und es wird mit Spannung erwartet, ob die AfD nach ihrem Erfolg im Kreis Sonneberg ein zweites Landratsamt in Thüringen erobern kann.

Die Ausgangslage: SPD-Hochburg mit Tradition

Das Landratsamt im ehemaligen Residenzschloss in Saalfeld ist seit Jahrzehnten fest in SPD-Hand. Nach der Kreisgründung 1994 amtierte zunächst Marion Philipp (SPD) als Landrätin, gefolgt von Marko Wolfram, der seit zwölf Jahren die Geschicke des Kreises im Südosten Thüringens lenkt. Wolfram, ein diplomierter Volkswirt, hatte die Wahl 2020 bereits im ersten Durchgang mit 58,5 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Wahlbeteiligung lag damals bei nur 42,4 Prozent. Doch die politische Landschaft hat sich seitdem verändert: Bei der Landtagswahl 2024 wurde die AfD stärkste Partei in Thüringen und liegt in Umfragen weiterhin vorn. Regionale Umfragen zur Beliebtheit der Parteien im Kreis gibt es nicht, doch aus der SPD heißt es, Wolfram sei beliebt und der Wahlkampf sei ohne besondere Vorfälle verlaufen.

Die Kandidaten: Drei Bewerber um das Landratsamt

Neben Amtsinhaber Marko Wolfram (SPD) treten zwei Herausforderer an. Der AfD-Kandidat Thomas Benninghaus ist Landtagsabgeordneter und wird dem Lager von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zugerechnet. Bei der Landtagswahl 2024 gewann er in der Region erstmals ein Direktmandat. Kritiker werfen ihm geschichtsrevisionistische Äußerungen vor, insbesondere im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Benninghaus, Jahrgang 1973, ist kaufmännischer Fachwirt.

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Der dritte Bewerber ist Wolfgang Wehr, ein Bauingenieur und Professor an der Fachhochschule Erfurt. Wehr, Jahrgang 1964, war von 2018 bis 2024 Bürgermeister der Kleinstadt Gräfenthal und bringt daher kommunale Erfahrung mit. Er ist parteilos, könnte aber nach Angaben aus dem Kreis von BSW und FDP unterstützt werden.

Die Bedeutung der Wahl für die SPD und die AfD

Die SPD, die in Thüringen in Umfragen derzeit nur zwischen sechs und sieben Prozent liegt, könnte mit einem Erfolg bei der Kommunalwahl neues Selbstbewusstsein tanken. Derzeit stellt sie neben Saalfeld-Rudolstadt die Landräte in den Kreisen Gotha, Kyffhäuser und Nordhausen. Ein Sieg der AfD wäre ein weiterer Meilenstein für die Partei, die im Juni 2023 mit Robert Sesselmann im Kreis Sonneberg erstmals ein kommunales Spitzenamt in Deutschland eroberte. Sesselmann setzte sich damals in der Stichwahl gegen den CDU-Amtsinhaber durch.

Fazit: Spannung vor der Wahl

Der Ausgang der Landratswahl in Saalfeld-Rudolstadt ist völlig offen. Die SPD hofft auf die Beliebtheit ihres Kandidaten, während die AfD auf den bundesweiten Trend setzt. Der parteilose Kandidat Wehr könnte Stimmen aus dem bürgerlichen Lager abziehen. Die Wahlbeteiligung wird eine entscheidende Rolle spielen. Klar ist: Das Ergebnis wird weit über die Kreisgrenzen hinaus Beachtung finden.

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