Das russische Militär hat in der Nacht schwere Luftangriffe auf die Ukraine geflogen. Dabei kamen offenbar Dutzende Marschflugkörper und Raketen zum Einsatz. In der Hauptstadt Kyjiw wurden mehrere Gebäude beschädigt, wie Behörden mitteilten.
Wohnhaus in Podil getroffen
Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, ein Wohnhaus im historischen Stadtteil Podil sei getroffen worden. „Da sitzen Menschen im siebten bis neunten Stock fest“, sagte Klitschko. Zudem seien Trümmerteile von Drohnen auf ein zweites Wohnhaus in derselben Gegend sowie in anderen Stadtteilen gefallen. Klitschko rief die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben.
Drohnen und Raketen im Einsatz
Die Angreifer setzten neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein. Marschflugkörper können besser manövriert werden und sind wegen ihrer geringen Flughöhe schwerer vom Radar zu erfassen. Ballistische Raketen sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren. Die ukrainische Flugabwehr hat eine relativ hohe Trefferquote gegen Drohnen und Marschflugkörper, ist aber gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos.
Selenskyj warnt vor Angriffswelle
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag vor schweren Luftangriffen gewarnt, die Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor dem Nato-Gipfel in der Türkei am Dienstag befehlen könnte. Er berief sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara“ wolle er „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“, sagte Selenskyj in einem Video auf Facebook.
Appell an Partner
Selenskyj appellierte an die Partner seines Landes, die ukrainische Flugabwehr stärker zu unterstützen. „Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er. Die Welt verfüge über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen, nötig sei aber, diese der Ukraine zur Verfügung zu stellen. „Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.“
Nato-Gipfel in Ankara
Am Sonntag erklärten die USA, dass sich Präsident Donald Trump am Mittwoch am Rande des Nato-Gipfels mit Selenskyj treffen werde. Kurz vor dem Gipfeltreffen in Ankara sagte Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg dem SPIEGEL: „Die Europäer hätten früher anfangen sollen, mehr in die Verteidigung zu investieren.“ Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.



