Lula offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert
Lula offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert

Brasiliens Arbeiterpartei (PT) hat ihre Nominierung abgeschlossen: Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva wird bei der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober erneut antreten. Der 80-jährige Staatschef wurde auf einem Parteitag in São Paulo offiziell zum Kandidaten gekürt. Vor den Delegierten zeigte er sich kämpferisch. „Ich bin unendlich viel besser in Form als damals, als ich 57 Jahre alt war und mein erstes Amt antrat. Ich bin topfit“, sagte Lula. Mit einem Wahlsieg würde er seine vierte Amtszeit insgesamt antreten. Als Vizepräsidentschaftskandidat wird wie zuletzt Geraldo Alckmin antreten.

Damit stehen auf den Stimmzetteln mindestens zwei vertraute Namen: Lula und ein Bolsonaro. Allerdings tritt nicht der inhaftierte Ex-Präsident Jair Bolsonaro an, sondern dessen ältester Sohn Flávio. Der rechte Senator wurde vergangene Woche von der Liberalen Partei (PL) als Kandidat nominiert. Jair Bolsonaro war wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden und sitzt die Strafe derzeit unter Hausarrest ab. Die Familie Bolsonaro ist eng mit US-Präsident Donald Trump verbunden.

Umfragen und Ausgangslage

Laut der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Datafolha liegt Lula in der Wählergunst vor Flávio Bolsonaro. Die weiteren Bewerber kleinerer Parteien spielen bislang nur eine Nebenrolle. Ein Zweikampf zwischen dem Amtsinhaber und dem Sohn des früheren Präsidenten zeichnet sich damit ab. Für Flávio Bolsonaro ist die Ausgangslage allerdings schwierig: Er gilt als weniger populär als sein Vater und kann nicht auf die geschlossene Unterstützung des konservativen Lagers zählen. Ob es ihm gelingt, die Anhängerschaft der Bolsonaro-Familie zu mobilisieren, wird sich im Wahlkampf zeigen.

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Lula hingegen kann auf die Unterstützung seiner Partei und des linken Lagers setzen. Er verwies in São Paulo auf seine Erfahrung und seine Fitness. Der frühere Gewerkschaftsführer hatte sein erstes Präsidentenamt im Alter von 57 Jahren angetreten; inzwischen gilt er als einer der bekanntesten Politiker Lateinamerikas.

Diplomatischer Eklat mit Argentinien

Für große Spannungen sorgte ein Auftritt von Argentiniens ultraliberalem Präsidenten Javier Milei bei der Veranstaltung der Liberalen Partei. Milei griff sowohl Lula als auch die brasilianische Justiz scharf an. Der Auftritt führte zu einem diplomatischen Eklat, der als einer der schwersten Streitfälle zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarländern seit Jahrzehnten gilt. Kurz darauf rief Brasilien seinen Botschafter aus Argentinien zurück. Die Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften Südamerikas sind damit auf einem Tiefpunkt.

Ein weiteres Thema im Wahlkampf ist ein mit Künstlicher Intelligenz erstelltes Video über Jair Bolsonaro. Der Ex-Präsident hat die Verwendung des Videos laut seiner Verteidigung nicht genehmigt. Die brasilianischen Wahlbehörden prüfen mögliche Verstöße gegen Gerichtsauflagen. Selbst wenn ein Verstoß festgestellt wird, gilt eine Aberkennung der Kandidatur von Flávio Bolsonaro als unwahrscheinlich.

Wahltermin und Stichwahl

Die Präsidentschaftswahl in Brasilien, der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, findet am 4. Oktober statt. Sollte kein Kandidat im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreichen, ist für den 25. Oktober eine Stichwahl angesetzt. Dann entscheiden die Wählerinnen und Wähler zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten. Angesichts der aktuellen Umfragen wäre ein zweiter Wahlgang zwischen Lula und Flávio Bolsonaro durchaus möglich.

Der Wahlkampf in Brasilien dürfte in den kommenden Wochen an Intensität zunehmen. Neben wirtschaftlichen Themen spielen auch der Schutz des Amazonas-Regenwaldes und die juristische Aufarbeitung der Regierung Bolsonaro eine Rolle. Die Nominierung von Lula und Flávio Bolsonaro hat die Fronten klargestellt: Es geht erneut um einen Richtungsentscheid zwischen links und rechts.

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