Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am ersten nationalen Gedenktag für den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus zu „ständiger Wachsamkeit“ gegen den wieder zunehmenden Antisemitismus im Land aufgerufen. „Wir wissen, dass die alten Dämonen des Antisemitismus unser Land nie vollständig verlassen haben“, sagte Macron in Paris an der Seite von Dreyfus‘ 99-jährigem Enkel Charles.
Hintergrund des Dreyfus-Skandals
Der französische Generalstabsoffizier Alfred Dreyfus war 1894 vor dem Hintergrund antisemitischer Anfeindungen zu Unrecht als Spion des damaligen deutschen Kaiserreichs denunziert und verurteilt worden. Wegen Hochverrats wurde er auf die Teufelsinsel in Französisch-Guayana verbannt. Der Schriftsteller Emile Zola machte den Justizirrtum mit seinem legendären offenen Brief „J'accuse“ („Ich klage an“) bekannt. Erst 1906 wurde Dreyfus‘ Unschuld offiziell anerkannt.
Nationaler Gedenktag und Ehrungen
Macron hatte im vergangenen Jahr den 12. Juli zum nationalen Gedenktag für die Anerkennung der Unschuld von Dreyfus erklärt. In seiner Rede rief der Präsident dazu auf, Franzosen zu ehren, die sich der „Nazi-Barbarei“ entgegengestellt hätten. „Es ist an der Zeit, dass an jedem Haus, jedem Gebäude, in dem Juden Zuflucht gefunden haben, die Namen der Gerechten angebracht werden“, so Macron. Jede Gemeinde in Frankreich müsse sich dies zu eigen machen.
Umbenennung eines Platzes in Paris
Der Bürgermeister von Paris, Emmanuel Grégoire, kündigte an, dass ein bislang nach dem nationalistischen Schriftsteller Maurice Barrès benannter Platz in der Hauptstadt künftig den Namen von Alfred Dreyfus‘ Frau Lucie tragen solle. Barrès zählte zu den schärfsten Widersachern von Dreyfus, während Lucie Dreyfus ihren Mann unermüdlich in seinem Kampf um Gerechtigkeit unterstützt hatte.



