Die regierende Labour-Partei von Ministerpräsident Robert Abela hat die vorgezogene Parlamentswahl in Malta gewonnen und ebnet sich damit den Weg für eine historische vierte Amtszeit in Folge. Nach Angaben der Wahlkommission vom Sonntag erreichte die Partei 52 Prozent der Stimmen, während die oppositionelle Nationalistische Partei auf 45 Prozent kam.
Abela spricht von historischem Erfolg
„Heute haben wir gemeinsam ein Stück Geschichte geschrieben“, sagte Abela vor seinen Anhängern. Der Vorsitzende der Nationalistischen Partei, Alex Borg, räumte seine Niederlage ein und erklärte, er habe Abela angerufen, um ihm zu gratulieren. Der 30-jährige Anwalt und frühere Sieger des Schönheitswettbewerbs „Mr. World Malta“ hatte die Wähler zu einem politischen Wechsel aufgerufen.
An mehreren Orten der Mittelmeerinsel wurde Feuerwerk gezündet, und in Rot gekleidete Labour-Anhänger skandierten „vier Mal!“. Die 73-jährige Margaret Camilleri sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Ich wähle Labour, seit ich ein kleines Mädchen war. Ich bin begeistert, dass sie Geschichte geschrieben haben.“
Korruption spielte kaum eine Rolle im Wahlkampf
Regierungschef Abela hatte die eigentlich erst für das kommende Jahr vorgesehene Wahl vorgezogen mit der Begründung, seine Regierung brauche angesichts großer geopolitischer Unsicherheiten ein neues Mandat. Der 48-Jährige warb im Wahlkampf mit der wirtschaftlichen Bilanz der Labour-Partei seit 2013 und versprach Stabilität in einer Zeit der Unsicherheit.
Malta verzeichnete im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent. Die Wirtschaft des kleinsten und am dichtesten besiedelten EU-Mitgliedstaats ist stark auf Tourismus, Online-Glücksspiel und Finanzdienstleistungen ausgerichtet. Zugleich wuchsen zuletzt die Sorgen, dass der Irankrieg wegen steigender Kosten für Flugtreibstoff den Tourismus belasten und die Inflation anheizen könnte. Malta verfügt über wenige natürliche Ressourcen und ist bei Energie stark auf Importe angewiesen.
Abela führt Malta seit 2020, nachdem sein Vorgänger nach einer politischen Krise wegen der Ermordung der Journalistin Daphne Caruana Galizia zurückgetreten war, die Korruption auf höchster Ebene aufgedeckt hatte. Laut einem Bericht des Europarats von 2025 liegt Malta im Kampf gegen Korruption weiter deutlich zurück. Im Wahlkampf spielte das Thema jedoch keine große Rolle, da andere Sorgen durch den wirtschaftlichen Erfolg überdeckt werden.
Trotz niedriger Geburtenrate wuchs die maltesische Bevölkerung binnen eines Jahrzehnts um fast 30 Prozent, vor allem durch Zuwanderung. Dies befeuerte einen Bauboom, führte zu mehr Verkehr und belastete zentrale öffentliche Dienste. Umwelt- und Kulturschutzorganisationen warnen zudem vor Schäden an Landschaft und Weltkulturerbestätten.



