Eine beleidigende Rede des argentinischen Präsidenten Javier Milei hat zu einer schweren diplomatischen Verstimmung zwischen Buenos Aires und Brasília geführt. Brasilien zog am Sonntag seinen Botschafter Julio Bitelli aus der argentinischen Hauptstadt zurück und bestellte den argentinischen Botschafter Daniel Raimondi ins Außenministerium ein. Grund sind abfällige Äußerungen Mileis, die er am Samstag bei einer Veranstaltung des rechtsgerichteten Senators Flávio Bolsonaro in São Paulo machte.
Milei beleidigt Lula und Richter Moraes
Bei seinem Auftritt in São Paulo bezeichnete Milei den linksgerichteten brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva indirekt als „Dieb“ und „Verurteilten“. Zudem attackierte er den Richter am Obersten Gerichtshof Brasiliens, Alexandre de Moraes, als „glatzköpfigen Abschaum“. Milei nannte weder Lula noch Moraes namentlich, doch die Anspielungen waren eindeutig. Der ultrarechte Politiker nahm an der Kür von Flávio Bolsonaro zum Präsidentschaftskandidaten teil. Flávio ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen Umsturzversuchs zu einer langjährigen Haftstrafe von mehr als 27 Jahren verurteilt wurde und sich derzeit im Hausarrest befindet.
Das brasilianische Außenministerium warf Milei vor, er habe „den brasilianischen Staatschef, staatliche Institutionen, das brasilianische Volk und die Demokratie des Landes attackiert“. Es gebe keinen vergleichbaren Fall, in dem ein ausländischer Präsident auf brasilianischem Boden derart viele Angriffe gegen den Staatschef und andere Institutionen gerichtet habe.
Lula und China reagieren
Brasiliens Präsident Lula reagierte am Montag bei einer Gewerkschaftsveranstaltung: „In Brasilien akzeptieren wir nicht, dass jemand seine Nase in Dinge steckt, in denen er nichts zu suchen hat“, sagte er, ohne Milei direkt zu nennen. Der Präsident des Obersten Gerichts, Edson Fachin, kritisierte die „respektlose Äußerung“ über Moraes als unvereinbar mit dem Anstand zwischen Staaten.
Chinas Präsident Xi Jinping telefonierte am Montag mit Lula und signalisierte Unterstützung. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua sagte Xi: „China misst dem internationalen Status Brasiliens und seinem wichtigen Einfluss große Bedeutung bei.“ Peking unterstütze Brasilien bei der Wahrung seiner Souveränität und im Widerstand gegen externe Einmischung.
Wirtschaftliche Folgen und angespannte Beziehungen
Die Beziehungen zwischen Milei und Lula sind seit langem angespannt. Bei internationalen Treffen begegneten sie sich zwar, führten aber nie ein bilaterales Gespräch. Während seiner bislang letzten Argentinien-Reise 2025 besuchte Lula die frühere Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, eine Oppositionelle, die sich wegen Korruption im Hausarrest befindet. Dabei handelt es sich um eine bewusste Brüskierung Mileis.
Brasilien ist Argentiniens wichtigster Handelspartner. Eine Eskalation könnte daher erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben. Milei legte am Sonntag mit unbegründeten Vorwürfen nach: Im Radiosender Mitre behauptete er, die brasilianische Regierung habe ein Viertel der Mittel für eine „antiargentinische Kampagne“ bereitgestellt, an der auch „progressive Köpfe“ aus Mexiko und der US-Demokratischen Partei beteiligt gewesen seien.
Richter Alexandre de Moraes hatte Milei zuvor einen Besuch bei Jair Bolsonaro untersagt. Der Sprecher des Obersten Gerichts bestätigte, dass solche Besuche die laufenden Ermittlungen gefährden könnten. Die diplomatische Krise zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarn bleibt vorerst ungelöst.



