Polizeifehler in Großbritannien: Rassismus-Debatte nach tödlichem Messerangriff
Polizeifehler entfacht Rassismus-Debatte in Großbritannien

Ein schwerwiegender Polizeifehler in Großbritannien hat eine Debatte über angeblichen umgekehrten Rassismus und rechte Stimmungsmache entfacht. Hintergrund ist die Verurteilung eines 23-jährigen Mannes aus der Sikh-Gemeinschaft wegen Mordes an einem weißen 18-jährigen Studenten in Southampton. Der Täter hatte sich nach der Tat gegenüber der Polizei als Opfer eines rassistisch motivierten Angriffs ausgegeben.

Bodycam-Video zeigt fatale Fehleinschätzung

Wie ein erschütterndes Video einer Bodycam zeigt, legen die Beamten dem sterbenden Mann Handschellen an, obwohl er mehrmals betont, dass er niedergestochen wurde und nicht atmen könne. Ihm wird kein Glauben geschenkt. Er stirbt noch am Tatort. Der Fall sorgt für Empörung und wirft Fragen nach den Ermittlungsmethoden der Polizei auf.

Rechte Politiker wittern umgekehrten Rassismus

Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK, sieht einen "umgekehrten George-Floyd-Moment" gekommen. In einem Videoaufruf auf der Plattform X prangerte er eine angebliche Zweiklassenkultur an, "in der die Rechte und Privilegien weißer Menschen weniger zählen als die ethnischer Minderheiten". Der liberaldemokratische Abgeordnete Max Wilkinson warf Farage daraufhin vor, "eine Tragödie auszunutzen, um Gemeinschaften auseinanderzubringen". Er nannte dies "spaltend, gefährlich und fundamental unbritisch".

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Premierminister Starmer zeigt sich erschüttert

Premierminister Keir Starmer nannte den Fall "furchtbar und schockierend" und begrüßte eine angekündigte Untersuchung durch die Aufsichtsstelle für Polizeiverhalten IOPC. Innenministerin Shabana Mahmood sagte bei einer Debatte im Unterhaus, die Untersuchung solle innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. Sie warnte jedoch davor, "dass dieser Mord dazu führt, dass Gemeinschaften aufeinander losgehen". Auch der Vater des Opfers äußerte sich vor Gericht ähnlich: "Wir wollen nicht, dass sein Tod dazu benutzt wird, noch mehr Spaltung, Hass oder Spannung zu schaffen."

Befürchtungen vor neuen Krawallen

Der Rechtsextremist Tommy Robinson rief in einem wütenden Video-Appell zu einem Protest vor dem Polizeihauptquartier in Southampton auf. Er weckte damit Befürchtungen vor einem neuen Krawallsommer, nachdem er bereits beim Anheizen rassistischer Ausschreitungen im Sommer 2024 eine unrühmliche Rolle gespielt hatte. Damals wurden England und Nordirland wochenlang von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert. Innenministerin Mahmood berichtete zudem, dass ein Polizist mit seiner Familie umziehen musste, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte, weil er fälschlicherweise mit dem Vorfall in Verbindung gebracht worden war.

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