Profi-Verhandler entzaubert fünf Mythen über diplomatische Gespräche
Hans-Joachim Gießmann, ehemaliger Senior Advisor bei den Verhandlungen um das Kriegsende in Afghanistan, räumt in einem Gastbeitrag mit fünf Mythen über Friedensverhandlungen auf. Er betont, dass diplomatische Gespräche oft romantisiert werden und dass im Nahen Osten und in der Ukraine ein realistischerer Ansatz nötig sei.
Mythos 1: Frieden ist immer möglich
Gießmann erklärt, dass nicht alle Konflikte durch Verhandlungen lösbar seien. Manchmal fehle der Wille oder die Voraussetzungen für einen Kompromiss.
Mythos 2: Verhandlungen sind immer gut
Er warnt davor, dass Verhandlungen auch schaden können, etwa wenn sie Zeit für Aufrüstung verschaffen oder Ungleichgewichte zementieren.
Mythos 3: Der stärkere Verhandler gewinnt
In Wahrheit komme es auf die Interessen und nicht auf die Macht an. Schwächere Parteien könnten durch kluge Taktiken Erfolge erzielen.
Mythos 4: Geheimdiplomatie ist effektiver
Gießmann hält Transparenz für wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Geheimverhandlungen könnten Misstrauen fördern.
Mythos 5: Ein Abkommen beendet den Konflikt
Oft seien Abkommen nur der Anfang. Die Umsetzung sei entscheidend und scheitere häufig an fehlendem Willen oder Ressourcen.
Gießmann fordert mehr Realismus und weniger Romantik in der Friedensdiplomatie. Nur so könnten nachhaltige Lösungen gefunden werden.



