Rahm Emanuel, ehemaliger Stabschef unter US-Präsident Barack Obama, bereitet offenbar eine eigene Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten vor. Dabei stellt er radikale Reformideen für die Außenpolitik in den Mittelpunkt. Bei einem Treffen in Tel Aviv wurde deutlich, wie er sich die Zeit nach Donald Trump vorstellt – und er legte sich dabei ausdrücklich mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu an.
Emanuels Vision einer neuen US-Außenpolitik
In einer Rede vor Journalisten und Diplomaten in Tel Aviv skizzierte Emanuel seine Vorstellungen. „Amerika kann und wird weder Komplize noch gleichgültiger Zuschauer sein“, sagte er. Damit bezog er sich auf die Haltung Washingtons gegenüber Israel und anderen Partnern. Emanuel forderte eine klare Abkehr von Trumps transaktionalem Ansatz und plädierte für eine wertebasierte Außenpolitik, die Menschenrechte und internationale Abkommen wieder in den Vordergrund stellt.
Konfrontation mit Netanyahu
Besonders deutlich wurde Emanuels Bruch mit der bisherigen Linie in der Israel-Politik. Er warf Netanyahu vor, die bilateralen Beziehungen zu instrumentalisieren und die Demokratie in Israel zu schwächen. „Die USA müssen bereit sein, auch befreundeten Regierungen kritisch gegenüberzutreten, wenn sie von unseren gemeinsamen Werten abweichen“, so Emanuel. Netanyahu reagierte zurückhaltend, ließ aber über seinen Sprecher mitteilen, dass er die Äußerungen als Einmischung in innere Angelegenheiten betrachte.
Hintergrund und Kandidaturvorbereitung
Emanuel, der auch als Bürgermeister von Chicago gedient hat, gilt als ambitionierter Demokrat. Insidern zufolge hat er bereits ein Team zusammengestellt, das eine mögliche Präsidentschaftskampagne vorbereitet. Sein Fokus liegt auf einer Neuordnung der US-Außenpolitik, die er als „chaotisch und prinzipienlos“ unter Trump kritisiert. Emanuel will das Vertrauen in die USA als globalen Führer wiederherstellen.
Reaktionen und Ausblick
Die Rede in Tel Aviv stieß auf gemischte Reaktionen. Während progressive Demokraten Emanuels Kurs begrüßten, warnten konservative Stimmen vor einer zu starken Abkühlung der Beziehungen zu Israel. Ein hochrangiger israelischer Beamter sagte anonym: „Emanuel mag ein Freund Israels sein, aber seine Forderungen sind naiv.“ Emanuel selbst zeigte sich unbeeindruckt und kündigte an, seine Kampagne in den kommenden Monaten offiziell zu starten. Eine Kandidatur für 2028 gilt als wahrscheinlich.



