Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat einen neuen Präsidenten gewählt. Der Außenminister von Bangladesch, Khalilur Rahman, wird das Amt ab September übernehmen. Er tritt die Nachfolge von Annalena Baerbock an, die seit 2025 Präsidentin war. Rahman erhielt 99 der 193 Stimmen der Mitgliedstaaten und setzte sich gegen den zyprischen Diplomaten Andreas Kakouris durch.
Ein Amt mit begrenztem Einfluss
Das Amt des Präsidenten der UN-Generalversammlung ist vor allem protokollarischer Natur, kann aber hinter den Kulissen Einfluss auf Abläufe und Entscheidungsprozesse nehmen. Die Beschlüsse der Generalversammlung gelten häufig als symbolisches Signal und weltweites Stimmungsbild. Baerbock gratulierte Rahman zu „einem der besten Jobs der Welt“.
Herausforderungen für den neuen Präsidenten
Rahman übernimmt das Amt in einer Phase, in der die Vereinten Nationen wegen zahlreicher ungelöster bewaffneter Konflikte und großer finanzieller Lücken unter Reformdruck stehen. Der UN-Experte Richard Gowan bezeichnete Baerbock als „durchaus solide und zupackende Führungspersönlichkeit“, die dem Amt mehr Öffentlichkeit verschafft habe als ihre Vorgänger. Zugleich habe sie sich – so höre er von Diplomaten – mitunter über die Grenzen ihres Amts frustriert gezeigt. „Sie wünschte sich, die Generalversammlung würde bei der Bewältigung der vielen Krisen, mit denen sie konfrontiert ist, aktiver agieren.“
Rahmans Pläne und Hintergrund
Rahman kündigte an, das Präsidentenamt in Vollzeit ausüben zu wollen. Ob er dafür sein Ministeramt niederlegt, war unter Diplomaten bis zuletzt umstritten. Er war nach UN-Angaben in führender Rolle mit der Situation der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch befasst und will sich unter anderem für die Reform von UN-Friedensmissionen, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele sowie die Förderung von Frauen und Mädchen einsetzen.
Die Präsidentschaft wird regional rotierend vergeben, diesmal war die Asien-Pazifik-Gruppe an der Reihe. Dass zwei Kandidaten um den Posten werben, ist in der Geschichte des Amts äußerst selten. Baerbock bleibt bis zur offiziellen Amtsübergabe am 9. September im Amt – kurz vor der Generaldebatte der UN-Generalversammlung mit Staatsgästen aus aller Welt.



