Der albanische Ministerpräsident Edi Rama bleibt trotz massiver Proteste von Umweltschützern bei einem umstrittenen Immobilienprojekt an der Adriaküste. An dem Vorhaben ist eine Firma von Jared Kushner beteiligt, dem Schwiegersohn des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP wies Rama die Einwände der Kritiker als unbegründet zurück und betonte, das Projekt werde große Investoren ins Land locken.
Projekt als Schlüssel für Tourismus und EU-Beitritt
Die albanische Regierung sieht in dem Luxusprojekt einen entscheidenden Schritt für das ehemals kommunistische Land, das den Einstieg in den Markt für Luxustourismus und eine EU-Mitgliedschaft anstrebt. Geplant sind Hotels, Wohnungen, Villen und ein Jachthafen. Täglich demonstrieren jedoch Tausende Menschen vor Ramas Amtssitz in Tirana gegen das Vorhaben.
Umweltprüfung noch nicht eingeleitet
Rama erklärte, dass noch keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung begonnen habe, obwohl bereits Rodungsarbeiten innerhalb eines Naturschutzgebietes im Gange sind. Die albanische Antikorruptionsbehörde hat Ermittlungen aufgenommen. Die Regierung gibt an, das Land sei in Privatbesitz, doch die Angaben zur Privatisierung sind widersprüchlich.
Zufällige Entstehung der Idee
Laut Rama entstand die Idee zu dem Projekt zufällig. Er habe in Südalbanien mit Kushner, dessen Frau Ivanka Trump und Freunden zu Abend gegessen, die auf dem Weg nach Montenegro im Hafen von Durrës einen Zwischenstopp eingelegt hatten. Monate später sprach Kushner ihn in Davos an und zeigte Interesse an Investitionen. „Ihr Land ist absolut atemberaubend“, zitierte Rama Kushner. Das Luxusprojekt umfasst zwei Teile: eine Bebauung in der Narta-Lagune, einem Naturschutzgebiet, und ein kleineres Resort auf der Insel Sazan, einem ehemaligen Militärstützpunkt aus der Kommunistenzeit. Eine mit Kushner verbundene Investmentfirma erhielt von den Behörden einen besonderen Investorenstatus.
Rama macht ausländische Einmischung verantwortlich
Für die negativen Reaktionen machte Rama teilweise ausländische Einmischung verantwortlich, darunter eine iranische Cyberkampagne gegen Albanien. Albanien hatte Mitgliedern einer iranischen Oppositionsgruppe Unterschlupf gewährt; Teheran wies die Vorwürfe zurück.



