Die russische Anwältin Marija Bonzler, die politische Gefangene verteidigte, sitzt selbst in Untersuchungshaft. In einem Interview aus dem Gefängnis in Kaliningrad schildert sie ihre Erlebnisse: Folter, Isolation und die Versuche des russischen Geheimdienstes FSB, sie zu einem Deal zu zwingen. „Ich habe das Gefühl, für alle wäre es leichter, wenn ich hier sterbe“, zitiert sie der SPIEGEL. Die Anklage gegen Bonzler wurde kürzlich auf „Landesverrat“ verschärft.
Hintergrund des Falls
Bonzler wurde im vergangenen Jahr verhaftet, nachdem sie mehrere oppositionelle Aktivisten vor Gericht vertreten hatte. Ihr wird vorgeworfen, Staatsgeheimnisse preisgegeben zu haben. Die Anwältin bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer politisch motivierten Kampagne. „Der FSB hat mir angeboten, die Anklage fallen zu lassen, wenn ich gegen meine Mandanten aussage“, erklärt sie. „Das habe ich abgelehnt.“
Folter und psychischer Druck
In der Haft sei sie wiederholt gefoltert worden, so Bonzler. „Sie haben mich stundenlang verhört, mir Schlaf entzogen und mich mit dem Tod bedroht.“ Die psychische Belastung sei enorm. „Ich habe Angst um mein Leben, aber ich werde nicht aufgeben.“ Internationale Menschenrechtsorganisationen fordern ihre Freilassung. Die russische Justiz weist die Foltervorwürfe zurück.
Bonzlers Fall steht exemplarisch für die zunehmende Repression gegen Anwälte in Russland. Laut Menschenrechtlern sind Dutzende Juristen inhaftiert, die politische Fälle übernommen haben. Die Anwältin appelliert an die internationale Gemeinschaft: „Bitte vergesst uns nicht. Wir kämpfen für Gerechtigkeit, auch wenn es uns das Leben kostet.“
Das Interview, das aus dem Gefängnis geschmuggelt wurde, zeigt die Verzweiflung, aber auch den Widerstandswillen der Anwältin. „Ich weiß, dass ich hier vielleicht sterben werde. Aber ich werde niemals kooperieren.“



