Der langjährige Direktor des umstrittenen Russischen Hauses in Berlin, Pavel Izvolsky, hat Deutschland überraschend verlassen. Das berichten das Blog „Russia Watch Germany“ sowie mehrere russischsprachige Exilmedien unter Berufung auf den Telegram-Kanal „Volna/Berlin“. Demnach legte Izvolsky bereits im Mai sein Amt nieder und reiste aus. Das Auswärtige Amt bestätigte die Ausreise auf Anfrage. Die bisherige Stellvertreterin übernimmt kommissarisch die Leitung der Einrichtung.
Kulturzentrum oder Propagandazentrum?
Das Russische Haus an der Berliner Friedrichstraße bezeichnet sich selbst als „bedeutsames kulturelles Zentrum“. Es wolle deutsche Besucher mit russischer Kultur und Wissenschaft vertraut machen und Russen in Deutschland bei der Erhaltung ihrer Identität unterstützen. Kritiker sehen darin jedoch ein Zentrum für Kreml-Propaganda und Spionage. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird immer wieder die Schließung gefordert.
Mögliche Gründe für die Abreise
Als möglichen Grund für Izvolskys Ausreise nennen russischsprachige Medien das Nichtverlängern oder den Ablauf seines Diplomatenvisums. Izvolsky erhielt zuletzt im Mai 2022 einen für vier Jahre gültigen Diplomatenausweis, der nun hätte verlängert werden müssen. Ob die Ausreise eine Reaktion auf die Einstufung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Russland als „unerwünscht“ ist, ließ das Auswärtige Amt offen. Der DAAD hatte seine Arbeit in Moskau eingestellt, nachdem er vom Kreml zur unerwünschten Organisation erklärt worden war.
Hintergrund und Kontroversen
Izvolsky leitete das Russische Haus seit 2017. Zuvor war er in Moskau für die internationalen Beziehungen eines russischen Kernenergieunternehmens zuständig. Er wohnte auch im Gebäude des Russischen Hauses. Die Einrichtung mit rund 30.000 Quadratmetern Nutzfläche ist von Sanktionen betroffen und kann nicht frei über ihr Konto bei der Deutschen Bundesbank verfügen. Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht München wurde vor einem Jahr abgewiesen. Trotz der Kontroversen wird das Russische Haus mit deutschen Steuergeldern unterstützt: Für 2026 sind im Bundeshaushalt 70.000 Euro für die Grundsteuer vorgesehen, basierend auf einem deutsch-russischen Vertrag von 2013 mit 99-jähriger Laufzeit.



